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Im Theater

Mit Schorsch Kamerun

30.07.2008, 18:23, Text: Schorsch Kamerun

Im Sommer machen die Theater zu, wegen endlich "Hass auf eine ganze Spielzeit" abbauen. Einige Theaterleute machen trotzdem weiter, auf sogenannten Festivals: Wien, Salzburg, Bayreuth etc. Manche davon sind sehr interessant, andere todschick. Ich selbst versuche, den Text "Westwärts" von Rolf-Dieter Brinkmann gemeinsam mit 150 Gladbecker EinwohnerInnen in einer riesigen alten Maschinenhalle auf der "Ruhrtriennale" aufzuführen. Vielleicht wird es ja gut. Fein könnte es zugehen beim "Internationalen Sommerfestival 08" auf dem Kampnagel in Hamburg. Ein (in echt!) Spitzenprogramm aus Musik, Theater und Performance.

Hab jetzt aber mehr Bock, von selbst erlebtem, ganz, ganz gruseligem Theater zu berichten. Das war so: Bekam kurzfristig ein Ticket für das EM-Endspiel in Wien. Das hätte doch aufregend werden können. Und dann das!! Ja, geht's noch?? Ist da jemand zu Hause?? Da muss man sich drei Wochen verständnislose Gesichter gefallen lassen, wenn man erklärt, dass man seit 1990, als die Fahnen wieder rausgekramt wurden und die Arschlöcher auf der Reeperbahn die ersten Kebabläden überfielen, eben nicht mehr "einfach so für Deutschland" sein kann.

Und dann schaut man sich mindestens 80 Minuten diese gezügelte Spießertruppe mit ihrem eitlen Strenesseweißhemdchenträgerteamchef an, die ohne einen Funken Leidenschaft auf "trotzdem toll, was wir alles erreicht haben" macht, um dann noch - zwischen nicht mal unzufriedenen Deutschlandindianern - nicht schlecht zu staunen, wie sie gemeinsam und zu Tausenden (übrigens keineswegs aggressiv) im Wechsel die Lieder "Deutschland, Deutschland über alles", "Steh auf, wenn du ein Deutscher bist" und "Deutschland, schieß ein Tor" absingen. Es sind nicht mal die hässlichen Stolznationalen, die hier Einreihung einfordern, sondern (und das fühlte sich ehrlich ganz lähmend an) ärmste Identitätslose, die mit diffuser Sehnsucht ein verlorenes Kollektivgefühl herbeisehnen. Klingt mal wieder nörgelig, muss aber sagen dürfen, wenn ich mich einsam fühle unter so vielen.

La La La, Hoch die Internationale,
Horst Kamerun



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aus Intro #163 (August 2008)
 
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