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Punk - No One Is Innocent

Kunst - Stil - keine Revolte

19.06.2008, 15:44, Text: Christiane Erharter

Punk war in den vergangenen Jahren mehrmals Aufhänger für Ausstellungen "Zurück zum Beton 1977-82" zeigte 2002 in der Kunsthalle Düsseldorf die Anfänge von Punk und New Wave in Deutschland.

Jürgen Teipel, dessen Buch "Verschwende deine Jugend" die Idee zur Ausstellung lieferte, fungierte als Ko-Kurator. "ostPUNK! - Too Much Future" trug 2005 Material über Punk in der DDR 1979-1989 im Salon Ost in Berlin zusammen. "Panic Attack! Art In The Punk Years" hob letzten Sommer in der Londoner Barbican Art Gallery das Kunstschaffen in London, New York und Los Angeles hervor. 2007 jährte sich das Erscheinen der Single "God Save The Queen" der Sex Pistols zum 30. Mal. Die Anti-Monarchie-Hymne, für die Jamie Reid das Cover gestaltete, kam damals zeitgerecht zum 25. Jubiläum der Thronbesteigung von Queen Elizabeth II heraus.



Im Kontrast zu den genannten Ausstellungen kommt "PUNK. No One Is Innocent" in der Kunsthalle Wien (noch bis zum 07. September) ohne Anliegen oder Anlass daher. Zudem gibt Kurator Thomas Mießgang vor, dass die Geschichte von Punk in Wien und Österreich eine noch zu schreibende ist. Um das zu belegen, hat er lieblos ein Archiv ins Eck gestellt, für das Jugendliche Interviews mit ZeitzeugInnen und von Punk beeinflussten Künstlern wie Didi Bruckmayr von Fuckhead führten.

Dabei hat die österreichische Künstlerin Valie Export Punk mit seinen Publikumsbeschimpfungen und -bespuckungen, die später zur Geste von Punkbands werden sollten, bereits 1969 antizipiert: In ihrer Aktion "Attack Lecture" im Rahmen der Underground Explosion in Köln, München, Zürich, Essen und Stuttgart peitschte sie ZuschauerInnen aus und warf Stacheldrahtballen ins Publikum, während Peter Weibel obszöne und politradikale Parolen ins Mikrofon schrie.

Die Musik bildet auch für die Ausstellung in der Kunsthalle Wien den Rahmen - als Intro sind 18 Plattencover in einer Vitrine ausgestellt, unter denen sich immerhin auch die von The Slits, X-Ray Spex, Blondie, Lydia Lunch, Malaria! befinden. Das vorrangige Interesse gilt jedoch der popkulturellen Bewegung Punk, die einen radikalen Umbruch in der Mode, den Gesten und Rhetoriken und den künstlerischen Ausdrucksformen auslöste, und dem Einfluss auf die bildende Kunst.

Die Besetzung der Doppelfunktion Künstler und Musiker wie bei Mania D, Malaria!, Die Tödliche Doris, Linder, Genesis P-Orridge und Cosey Fanni Tutti sowie die Zusammenarbeiten von Robert Mapplethorpe und Patti Smith, Tony Oursler und Sonic Youth - oder von Derek Jarman mit Jordan, Adam Ant, Wayne County für seinen Film "Jubilee" - war aber nahe liegend. Punk war von Beginn an ein von Kunststudenten erdachtes Konzept und subversive Jugendkultur gleichermaßen. Die Fokussierung der Ausstellung auf die Städte London, Berlin und New York sowie die Exponate, die alle in den 1970/80er-Jahren entstanden sind, erschließen sicher keine neue Perspektive auf das Thema.

Eine Darstellung des nur in Wandtexten angemerkten Nachbebens von Punk und seiner Ästhetik des DIY, wie sie zum Beispiel von der Riot-Grrrl-Bewegung aufgenommen wurde, oder des Andauerns seiner Rhetorik und Haltung hätte eine Ausstellung mit Sprengkraft liefern können. Die No-Future-Parole von Punk erscheint jedenfalls angesichts internationaler Finanzkrise, prekärer Arbeitsverhältnisse und Debatten um niedrige Geburtenraten und Rentenversicherung wieder aktuell.



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aus Intro #162 (Juli 2008)
 
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