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Im Theater

mit Schorsch Kamerun

20.03.2008, 18:12, Text: Schorsch Kamerun

"Berlin! Berlin! Wir fahren nach Berlin!" hallt es adrenalinisiert durch die Gänge. Ein aufgepeitschter Chor hat seine Stimmung künstlich nach unten gepitcht, um noch bedrohlicher zu wirken. Sieg! Finalteilnahme! Die Hauptstadt kann sich auf was gefasst machen, das Stadion wird nicht mehr dasselbe sein, wenn wir mit ihm fertig ...




Aber Moment. Das Kampfgeheul entstammt keiner Fangruppe, die ihre Mannschaft zum DFB-Pokalendspiel supporten will und sich nun mit Schlachtgesang auf den gegnerischen Fanblock einschwört. Es sind vielmehr die sektlaunigen Damen einer Stadttheaterabteilung, deren Institution zum Treffen der "besten Produktionen eines Jahres" von einer Kritikerjury nach Berlin eingeladen wurde und die nun die Lorbeeren verbal formulieren. Eine verständliche Freude, selbst in so einer irritierenden Form. Der Triumph planiert eben auch gesetzte Umgebungen.

Wie auch immer: Dieses kurze Festival mit der hohen Bedeutung für die Spielbühnen gibt es. Und über die Programmausrichtung wird - natürlich - arg gestritten. In diesem Jahr ist man sich allerdings so weit einig, dass eher bereits etablierte Regisseure mit ihren Inszenierungen eingeladen wurden. Einzige Ausnahme: "Die Erscheinungen der Martha Rubin", ein radikales betretbares Langzeitperformanceprojekt, aufgeführt in der Halle Kalk des Kölner Schauspielhauses. Damit wollte die Jury wohl in erster Linie darauf hinweisen, dass sich in Köln am Theater was tut - was lange nicht so war. Und ja, mit neuer Intendanz ist man dort letzten Sommer bemerkenswert gestartet.

Auch ich glaube, dass es sich lohnen könnte, da mal hinzugehen. Zum Beispiel, um den wirklich grandiosen Hamburger Schauspieler und Polizistensohn Fabian Hinrichs ("Mein Alter ist der dienstälteste Bulle Hamburgs") in einer Aufführung zu sehen. Und wenn die dann aus eurer Sicht nicht gut inszeniert sein sollte, könntet ihr durchaus richtig damit liegen. Denn jedes zweite Theaterstück wird scheiße. Mindestens.

Sorry, euer Kamerun Diaz




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aus Intro #159 (April 2008)
 
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