
Zeitgenössische Kunst in Moskau
Zwischen Rotem Oktober und Erlöser-Kirche
24.04.2006, 12:10, Text:
Sonja Eismann
Zeitgenössische Kunst hat es nicht leicht in Russland. Abseits der kulturellen Zentren Moskau und St. Petersburg gibt es für sie keine nennenswerte Infrastruktur, und im Mittelpunkt, der 10-Millionen-Metropole Moskau, sind KünstlerInnen von spendablen OligarchInnen abhängig, die meist lieber in dekorative statt avantgardistische Kunst investieren. Unterstützung durch staatliche Institutionen oder Förder- und Bildungsmöglichkeiten gibt es so gut wie keine; an den Kunsthochschulen wird nach wie vor das Erlernen handwerklicher Meisterschaft forciert. Doch ein erster bescheidener Schritt zur Präsentation kontemporären Schaffens war die staatlich finanzierte Gründung des Nationalen Zentrums für zeitgenössische Kunst, das dieses Jahr zum ersten Mal einen mit 250.000 Rubeln (ca.
Der Rundgang durch den modernen, nicht besonders weitläufigen Ausstellungsraum des Zentrums zeigt, dass zunächst nicht mit großer internationaler Aufmerksamkeit für den Award gerechnet wird: Alle Beschriftungen und Erläuterungen zu den Kunstwerken, die teilweise, besonders die im Original raumgreifenden Installationen, nur in Auszügen zu sehen sind, sind ausschließlich russisch, und auch der geplante Katalog, den eine nette Mitarbeiterin mir eiligst aus dem Layoutprogramm ausdrucken lässt, hat keine englische Übersetzung. Die nominierten Werke, die mitnichten Newcomer-Status haben, sondern unter anderem von so renommierten Persönlichkeiten wie dem Konzeptualisten Andrej Monastirskij stammen – für den Nachwuchs gibt es einen eigenen Preis –, fokussieren dabei auf universelle Themen: Wladislaw Efimow und Sergej Denisow stellen Experimente aus einem berühmten Chemie-Lehrbuch nach, Alexander Ponomarew inszeniert eine Multimedia-Schifffahrt, Andrej Rudew dekoriert öffentliche Gebäude mit Pinguinfiguren, Leonid Tischkow und Boris Bendikow lassen eine leuchtende Mondskulptur an ungewöhnlichen Orten aufblinken, und bei dem für den Nachwuchspreis nominierten Rostan Tawasiew strampeln pinke Plüschhasen vor ihrem abgefilmten Abbild auf dem Hometrainer.
1 | 2 | ... weiterlesen »
Artikel kommentieren
Mehr Infos
Kommentare
Artikel kommentieren - Mehr Forumsdiskussionen
Social Network Login

Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
- meist geklickt
- kommentiert
- 01 Kino-Doku: Marley - Mit Intro z...
- 02 Max Payne 3 - Besitzergreifend
- 03 Breaking Bad - 6 Fakten
- 04 Der Fall John Yesterday - Gutes...
- 05 I Am Alive - Die namenlose Hauptfigur
- 06 The First Rasta - Golem von Religion
- 07 Sound It Out - Im Plattenladen
- 08 Bar25 - Berliner Erde
- 09 Rote Augen - mit Scharlau und V...
- 10 Tribute - Roman Polanski


