Kommissar Bellamy
Das Glück ist 'ne Wucht!
08.07.2009, 17:45, Text:
Bettina Schuler
Die Filme von Claude Chabrol sind für ihre dramatischen Studien des Bürgertums berühmt. Nicht selten geht es um Mord, seine Ursachen und Folgen. So auch in "Kommissar Bellamy", worin der kolossale Gérard Depardieu einmal mehr auf unnachahmliche Art brilliert. Findet Bettina Schuler.
Wuchtig. Das ist das Erste, was einem in den Sinn kommt, wenn man Gérard Depardieu als Kommissar Bellamy in Claude Chabrols neuem Film auf dem Sofa lümmeln sieht. Eine Gewaltigkeit, die fast die ganze Leinwand einnimmt und trotz der Finesse, mit der Depardieu sie transportiert, den Film eindeutig visuell dominiert und zugleich nach wenigen Minuten klarmacht, wer im Mittelpunkt des Geschehens steht: der charmante und berühmte Kommissar Paul Bellamy.
Dieser hat sich mit seiner Frau (Maire Bunel) zum alljährlichen Sommerurlaub ins südfranzösische Nîmes zurückgezogen, um der Hektik des Pariser Alltags zu entfliehen. Dabei werden sie jedoch von einem skurrilen Fremden gestört, der tagelang um ihr Haus herumschleicht, bevor er es wagt, den Kommissar anzusprechen. Nach und nach stellt sich heraus, dass es sich um den vermissten Monsieur Leullet (Jacques Gamblin) handelt, dem im Zuge eines Versicherungsbetruges ein Mord an einem Obdachlosen vorgeworfen wird. Leullet beteuert jedoch, dass es sich um einen Selbstmord handelt, dem er im besten Fall Pate gestanden hat, um ihn für seine Zwecke auszunutzen. Bellamy ist fasziniert von dem neurotischen Gesellen und entschließt sich, ihm aus der Patsche zu helfen, obwohl alles für dessen Schuld spricht. Gestört wird er dabei von seinem alkoholabhängigen Bruder Jacques (Jacques Gamblin), der mal wieder bei ihm untergeschlüpft ist.
Glück - ausgerechnet jenes Wort ist es, das Kommissar Bellamy zu Anfang beim Lösen eines Kreuzworträtsels nicht einfällt. Dabei ist er damit ebenso gesegnet wie der gut aussehende Leullet, dem keiner, nicht einmal der berühmt-berüchtigte Kommissar, einen Gefallen abschlägt. Das Glück ist auch das Leitmotiv von Chabrols neuem Film, in dem er nicht nur im Stile von Georges Simenons Maigret-Romanen eine verzwickte Kriminalgeschichte erzählt, sondern zugleich anhand der beiden unterschiedlichen Brüder Paul und Jacques Bellamy zeigt, wie abhängig der Verlauf des Lebens von einem Quäntchen Glück ist. Nach und nach lässt Chabrol dieses Motiv in den Vordergrund treten, verliert jedoch in manchen Momenten den roten Faden der Kriminalgeschichte aus den Augen. So kommt es, dass der gelungene und für Chabrol recht flott geschnittene Anfang des Films mit dem großartigen Schauspiel-Duo Depardieu-Bunel durch das lang gezogene Ende, an dem alle Erzählstränge miteinander verknüpft werden, verblasst.
Kommissar Bellamy
F 2009
R: Claude Chabrol; D: Gérard Depardieu, Clovis Cornillac, Jacques Gamblin, Marie Bunel, Vahina Giocante, Marie Matheron; 09.07.
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