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The Fall

Darwins Rache

27.02.2009, 15:52, Text: Martin Riemann

Nachdem er Jennifer Lopez in den Kopf eines Serienmörders geschickt hat, lädt Regisseur Tarsem Singh nun zur nächsten abenteuerlichen Reise ein - wiederum mit viel Mut zum Stilwillen. Martin Riemann ließ die eindrucksvollen Bilder auf sich wirken und sprach mit Tarsem Singh.

Der Schauwert des westlichen Unterhaltungsfilms ist so gut wie immer von der Montage abhängig. Durch den Schnitt ergibt sich die Dynamik der Handelnden. Die Geschwindigkeit, mit der die Bilder aufeinander folgen, bestimmt das Tempo und den Rhythmus des Plots. Statische Totalen, in denen mehr als zwei oder drei Darsteller miteinander agieren, sind eine Seltenheit.

Das Kino von Tarsem Singh sträubt sich gegen die Dramaturgie des Schnitts. Ihn interessieren vor allen Dingen Tableau-artige Bilder, wo sich die Darsteller wie in einer sorgfältig komponierten Bühnenkulisse bewegen können. Mit ihrem Fokus auf prächtige Kostüme, bombastische Bauten, exotische Tiere und Landschaften wirken seine Filme wie knallbunte Wundertüten auf Leinwand. Natürlich sind sie auch immer manieriert und prätentiös. Das war bei "The Cell" so - Jennifer Lopez reiste direkt in das barocke Hirn eines Serienmörders -, und das gilt auch für "The Fall".[d]Der Film spielt im Los Angeles des Jahres 1915. In einem Krankenhaus begegnen sich zwei Verletzte - ein suizidaler Stuntman und ein kleines Mädchen. Damit ihm das Mädchen todbringendes Morphium besorgt, erzählt der Stuntman eine Abenteuergeschichte: Fünf schillernde Helden - einer davon ist Charles Darwin! - wollen sich an einem Tyrannen rächen. "Was mich schon seit so langer Zeit an dem Thema fasziniert, ist, wie die Körpersprache des Zuhörers die des Geschichtenerzählers beeinflusst", erklärt Tarsem Singh. "In unserer Kultur ist die Story zu einer Einbahnstraße geworden, da man sich kaum noch gegenseitig Geschichten erzählt." Das Beeindruckende an "The Fall" ist allerdings nicht die Handlung, so etwas wie eine Variante von "The Princess Bride", viel Wert legt Tarsem Singh auf die genaue Umsetzung seiner gefilmten Gemälde - und zwar ohne den Einsatz der üblichen Computereffekte. Einfälle hat er: ein Gesicht, das sich während einer Überblendung in eine tatsächliche Landschaft verwandelt; ein Mann, dessen Rücken von so vielen Pfeilen durchbohrt wird, dass sie seinen Fall sanft aufhalten; Feuer, Tiere, Blut - alles mit einzigartigem Stilwillen in Szene gesetzt. Den Vorwurf "Stil vor Inhalt" weist der Regisseur aber zurück: "Das liegt doch nur daran, dass viele Menschen von meinen Bildern überwältigt sind. Sie setzen Realität mit einer wackligen Handkamera und einem schlechten Look gleich. Cinéma Vérité ist doch so einfach!"

The Fall
USA 2006
R: Tarsem Singh; D: Lee Pace, Cantica Untaru; 05.03.

Intro-Preview in Köln:
Rex, Montag 09.03., 19:30 Uhr, 90 Plätze, dt. Fassung




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aus Intro #169 (März 2009)
 
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