Hellboy 2 - Die goldene Armee
Verrückte Fabelwesen galore
[USA 2008; R: Guillermo del Toro; D: Ron Perlman, Selma Blair; 16.10.]
15.09.2008, 18:03, Text:
Christian Meyer
Piranhas auf Ecstasy statt Zahnfeen mit Lizenz zum Schnullerentzug. Guillermo del Toro wildert in den Fantasywelten von Tim Burton und Peter Jackson - und mischt seinem zweiten "Hellboy" noch eine Prise Bud Spencer bei.
Mit "Pan's Labyrinth" hat Guillermo del Toro Kritik wie Publikum begeistert. Den Faschismus in eine bösartige, perfekt gestaltete Fantasywelt aufzulösen, entpuppte sich als massentaugliche Idee. Del Toros erste "Hellboy"-Verfilmung warf dagegen weder politische noch moralische Fragen auf, auch wenn die Nazis dort schon auftauchten. Allerdings nur als Klischee. Gleiches gilt für "Hellboy 2 - Die goldene Armee". Der Nazi erscheint bloß als Karikatur. Wahrscheinlich lacht man in deutschen Kinos über eine derart schematische Darstellung am meisten - weh tut sie nicht. Die wenigen Momente, in denen ethische und andere existenzielle Probleme zur Disposition stehen, erscheinen inmitten der pulpigen Schlachtgemälde sowieso als Pflichtübung. Zudem sowohl Liebesszenen als auch moralische Pamphlete kaum über das Niveau von Fantasy-Soaps herausreichen.
Die Qualitäten der Verfilmung von Mike Mignolas epischer Comic-Saga - beim deutschen Verleger Cross Cult sind inzwischen schon neun Bände mit weit mehr als 1000 Seiten erschienen - muss man anderswo suchen. Und man findet sie. Del Toro kreiert eine Mischung aus den Welten von Tim Burton (der Gothic-Touch und die Faszination für altertümliche Mechanik), Peter Jackson (die opulente Fantasywelt sowie die Horror- und Splatterelemente) und Bud Spencer (erst cooler Spruch und dann auf die Fresse). Seine CGI-Schlachten sind perfekt inszeniert und widmen sich erfolgreich der Strategie der Überwältigung. Ein Fabelwesen ist verrückter als das nächste, und wenn nicht groß und böse, dann sind sie klein und ulkig. Oder andersrum, wie beispielsweise die kleinen Zahnfeen, die im Gegensatz zu den uns bekannten Schnullerentwöhnungs-Feen eher wie Piranhas auf Ecstasy agieren. An der Charakterzeichnung oder gar -entwicklung von Hellboy, dessen Freundin Liz oder dem Fischwesen Abe Sapien sollte man sich nicht länger als nötig aufhalten - del Toro hat es auch nicht getan: Die Figuren stolpern von einer Schlüsselszene in die nächste.
Mit dem Splatter-Fantasynerd Peter Jackson, dem der Fantasy-Splatternerd del Toro übrigens verblüffend ähnlich sieht, verbindet ihn neben dem visuell opulenten Gestaltungswillen außerdem die Chance, Werke von Tolkien verfilmen zu dürfen. Zwei von Jackson produzierte Hobbit-Filme wird del Toro demnächst drehen.
Christian Meyer
Hellboy 2 - Die goldene Armee (USA 2008; R: Guillermo del Toro; D: Ron Perlman, Selma Blair; 16.10.)
Zur großen Hellboy-Verlosung gehts hier lang.
Am 10.10. erscheinen vier von voraussichtlich 16 Folgen der neuen "Hellboy"-Hörspielreihe via Lausch. Nähere Informationen dazu auf www.merlausch.de.
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