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XXY / Lucía Puenzo

Mehr als zwei Arten von Menschen

20.06.2008, 12:19, Text: Birgit Binder
[2 Kommentare]

Wider die kulturelle Stille. Von einer Kurzgeschichte des Schriftstellers und Lyrikers Sergio Bizzio wurde Lucía Penzo, selbst Autorin, zu ihrem Debüt-Film inspiriert, zu der Geschichte eines intersexuellen Teenagers.

Die Story eines intersexuellen Teenagers erzählt sie nicht zuletzt, um das Recht der freien Identitätswahl von Menschen zu unterstützen, die mit "mehrdeutigem Geschlecht" leben. Ihre fiktionale Erzählung hält sich bewusst von medizinischem Jargon und persönlichem Lebensbericht fern. Birgit Binder sprach mit der Regisseurin und hält ein Plädoyer für die Vielfalt.


Debüt-Filme erzählen oft Coming-of-age-Geschichten. Selten sind sie eine solche Entdeckung wie Lucía Puenzos weltweit mit Preisen bedachtes Erstlingswerk "XXY". Durch emotionale Stromschnellen navigierend, erkundet der Film die Welt von Alex (Inés Efron). Der 15-jährige intersexuelle Teenager lebt mit seinen Eltern in einem abgelegenen Küstenort in Uruguay. Eines Tages verliebt sich Alex in Alvaro (Martín Piroyansky), den 16-jährigen Sohn eines befreundeten Ehepaares seiner Eltern, das über die Ostertage zu Besuch kommt.

Was hat Sie an der Kurzgeschichte des argentinischen Autors Sergio Bizzio so fasziniert, dass sie zur Basis Ihres Drehbuchs wurde?
Von dem Moment an, als ich die Geschichte las - das sexuelle Erwachen eines jungen Mädchens von, so die ärztliche Diagnose, "mehrdeutigem genitalen Geschlecht" -, habe ich sie nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Was mich besonders daran interessierte, war das Dilemma der unvermeidlichen Wahl: nicht nur zwischen Frau- oder Mannsein, sondern auch zwischen dieser binären Entscheidung und der Möglichkeit, Intersex als Identität zu wählen und nicht als Ort des Übergangs.

Was war für Sie die größte Herausforderung beim Dreh?
Alles war ein Risiko: eine Autorin zu sein, die ihren ersten Kinofilm dreht; die Mischung zwischen sehr bekannten und unbekannten Schauspielern; eine schwangere Schauspielerin im siebten Monat mit einer Schwangerschaft, die man ihr nicht ansehen durfte; das Thema ... Intersex sollte als kulturelles Phänomen und nicht auf den Körpern von einigen Individuen und Erfahrungen, die sie haben könnten, diskutiert werden. Ich war mir in diesem Punkt sicher und wollte das in einer Liebesgeschichte zwischen zwei sehr jungen Menschen erzählen, die sich verlieben und dabei ihre Identität entdecken. Von einem intersexuellen Körper, der nicht verstümmelt wurde und nicht nur überlebt, sondern die Möglichkeit einfordert, begehrt zu werden. Denn wer entscheidet letztendlich, dass es nur zwei Arten geben soll, ein Mensch zu sein?


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aus Intro #162 (Juli 2008)
 
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  • seelenlos 20.06.2008 | 01:28:45

    liebes intro

    vielen dank für eure sensible berichterstattung zum film xxy als beitrag "wider die kulturelle stille" (auch zwitter-tabu genannt) inkl. dem programmatischen "plädoyer für die vielfalt"!

    leider habt ihr im lead zum interview genau den (zurecht auch im im "plädoyer" kritisierten) kapitalen bock geschossen, die zwischengeschlechtliche ("intersexuelle") protagonistin des filmes fälschlicherweise als "transsexuell" zu bezeichnen. bitte korrigiert diesen ziemlich peinlichen verschreiber.

    herzlichen dank und grüsse

    seelenlos

    http://zwischengeschlecht.info
    http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2008/02/26/XXY-Ein-menschlicher-Film-uber-Zwitter

    Editiert von seelenlos am 20.06.2008 01:31:33
    Editiert von seelenlos am 20.06.2008 01:32:28

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