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Rote Augen mit Scharlau & Volkmann

Neue Spiele im Test

08.06.2011, 12:40, Text: Linus Volkmann, Felix Scharlau

Monatelang war es ruhig in der Intro-Knöpfchendrücker-Terrorzelle. Jetzt fuhren Felix Scharlau und Linus Volkmann wieder alle Videospielsysteme auf 100 Prozent. Inklusive Kinect, Pumpgun-Hardware und Bier. Nur um festzustellen, dass am Ende doch ein klassisches Tennisspiel am meisten bockt.

»Cabela’s Dangerous Hunts 2011«
Für PS3 (getestet), Wii und Xbox (Activision)
Volkmann [hat das zum Spiel gehörende »Top Shot Elite«-Gewehr angelegt]: So, auf wen schießen wir? Scharlau: Tiere. V: Was sollen die einem schon tun? Ich würde lieber auf meine Begleiter schießen. S: Dann wäre der Story-Modus aber schnell vorbei, die sagen dir gerade, was du machen sollst. V [Minuten später]: Ich habe Eiszapfen und Nüsse getötet, bei den Gänsen bist du jetzt dran. ... S: Ich habe ein Tier getötet, denkst du jetzt immer noch, ich sei ein Versager, Vater? V: Er kann dich nicht hören. S: Schau mal, hier, meinem Vater fehlt ein Auge, zum Schluss muss ich ihm bestimmt noch das zweite ausschießen. V: Reden wir wirklich noch von dem Spiel? S: Zum Glück ja. Das hier ist fast identisch mit dem Vorgänger »Big Game Hunter 2010« aus dem Februarheft. V: Total langweilig.



 
»Carnival in Aktion«
Für Xbox 360 Kinect (2K)
V: Die Minispiele kommen einem gleich toll vertraut vor. »Veranstalte wilde Schweinerennen mit Freunden und Familie«, »Dieser schwere Sack schlägt zurück«. S [wedelt in der Luft rum]: Der Kinect-Sensor sieht mich nicht? Das ist aber schon traurig. V: Seit du den Couchtisch weggestellt hast, damit dich das Kinect besser erkennt, ist auch das Bier weg! S: Dafür kann ich jetzt alles mit der Hand machen! V: Das ist doch nichts Neues für dich. S: Oh, es geht los. V: Hihi, das sieht lustig aus. Aua, hör auf, in mein Gesicht zu rudern. S: So, jetzt du. Die Achterbahnfahrt, bei der man Münzen mit den Händen sammeln muss, ist was für dich als Nintendo-Fetischisten. V: Nur weil ich als 45-Jähriger noch in Luigi-Bettwäsche schlafe? S [Minuten später]: Jetzt »Tortenwahnsinn«. Ich habe ein Häufchen gemacht. V: Das Spiel ist wohl nichts für dich. S: Im Spiel! Mit Tortenböden auf einem Tablett! V: Von wegen. S: Eben war ich aber noch der Größte. V: Ja, aber eben ist vorbei. Wir leben im Jetzt.

 
»Virtua Tennis 4«
Für PS3 (getestet) und Xbox 360 (Sega)
V: So, ich übe jetzt mal gründlich Aufschläge. S: Hey, ich drücke die ganze Zeit meinen Controller, aber komme nicht rein. V: Angenehm. Nur ich und die Playstation. Ich bin selig. [spielt Minuten weiter Aufschläge auf Luftballons, die es abzuschießen gilt] S: Hm, so langsam bereue ich doch, dass wir nicht mit den Move-Controllern spielen. Da hätte ich wenigstens mitmachen können. V: Guck mal, was ich für einen geilen Arsch habe! Ich bin Monica Busikowka. Die kenne ich auch von der ATP-Tour. [mit verstellter Stimme] »I didn’t have intercourse with this woman.“ S: Das war Lewinsky. So, hier, jetzt bin ich auch drin, wir spielen zusammen im Doppel ... Ha! Mit dem Heberle eben hab ich alle nass gemacht. V: »Heberle«? Du spielst wohl noch nicht so lange Tennis, was? S: Hier steht, deine Spielerin ist »Alleskönner«. Ich glaub, mein Typ hat nur Führerscheinklasse 3 und geringe Fremdsprachenkenntnisse, so wie der spielt. V: Bomben wir sie zurück in die Steinzeit. S: Wie ist das Spiel denn im Vergleich zu »Top Spin 4«? Das hast du ja letzten Monat »getestet«. V: Höre ich da zufällig ironische Anführungszeichen? Frechheit. Die andere Serie ist nicht so atmosphärisch von der Kulisse, die Steuerung aber intuitiver. S: Schluss mit deinen »Hard Facts«, ich bin angefixt. Weiter, bis wir mal gegen die gewinnen. [viel später] V: Ich will heim. S: Welchen Teil von angefixt hast du denn nicht verstanden?

 
»Socom: Special Forces«
Für PS3 (Sony)
S: Witzig, durch den Sony-Datenskandal, bei dem auch das Playstation Network deaktiviert wurde, wirkt das Spiel etwas verzweifelt: »Es wird nach aktuellen Neuigkeiten gesucht!«V: Das Spruchband würde man sich mal bei NTV wünschen. So, jetzt, ich spiele direkt auf Schwierigkeitsgrad »Elite«. S: Na, das wird ein kurzer Spaß, ich hol dir schon mal deine Jacke. V: Von wegen. So, alle Tutorials weggedrückt – ich habe keine Ahnung, was ich machen muss. S: Bravo. Hier. Die Jacke. V: Nee, ich lauf erst mal geradeaus. Ach, geht nicht. Hier, das Absperrband stellt ein zu großes Hindernis für meinen teuren Spezial-Anzug dar. Ich find’s jetzt schon beschissen, oder habe ich es bereits gelöst? S: Na na na, die Grafik ist aber doch echt ganz gut. Obwohl: Das ist natürlich eine ganz schöne Versagerhaltung, die mehr offenbart als untermauert. So wie beim Fußball der Satz: »Schade, aber immerhin haben sie sich nie aufgegeben«. So jetzt ich ... Ich glaube, in dieser Richtung bin ich richtig, der Kampfeslärm entfernt sich. V: Klar, der Marine setzt sich zwei Straßen neben dem Schlachtfeld zur Ruhe. Deine Aufgabe: Zerstöre diesen Panzer, Soldat, von und zu Guttenberg needs you. S: Ich blute aber bereits, Taxi! Wobei, Moment mal: Wenn wir »Elite« spielen, warum kann ich dann eigentlich zwölf Minuten im gegnerischen Sperrfeuer stehen, ohne zu sterben? V: Ehrlich gesagt: Ich hatte doch »leicht« gewählt.



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aus Intro #193 (Juni 2011)
 
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