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Red Dead Redemption

How The West Was Won

20.05.2010, 13:12, Text: Felix Scharlau

Der erzählerische Reiz von Wild-West-Videospielen scheint ungebrochen: Nach Ubisofts Blockbuster „Call Of Juarez 2“ steigt nun auch „GTA“-Entwickler Rockstar Games mit „Red Dead Redemption“ wieder in den Rodeo-Ring. Das fast dokumentarisch anmutende Epos bietet meisterhaft inszenierten Digital-Impressionismus, findet Felix Scharlau.
 
Schießereien anzetteln, Kopfgeldjäger spielen, selbst per Steckbrief gesucht werden, Pferde stehlen, Pferde gestohlen bekommen, mit der Postkutsche fahren, im Saloon saufen, terrorisierten Farmern helfen, Farmer terrorisieren, aus Langeweile Aasgeier vom Himmel ballern, Wildtiere mit dem Lasso fangen, in die untergehende Sonne starren, Rindern das Fell abziehen, in Klapperschlangen treten – all das und tausend andere Dinge kann man in „Red Dead Redemption“, dem Nachfolger des 2004 erschienenen Spiels „Red Dead Revolver“, selbstbestimmt tun.

Rockstar Games folgt damit konsequent der eigenen Markenidentität, die sich vor allem durch die „Grand Theft Auto“-Reihe generierte: dem Spieler zu fast allen Zeitpunkten sehr, sehr viele Handlungsoptionen zu geben. Das gigantomanische „RDR“ versucht da erst gar nicht, sich hinter „GTA IV“ einzusortieren. Im Gegenteil: Der Spielumfang ist ähnlich groß, die Spielwelt angeblich sogar noch größer als die des größten Open-World-Videospiel-Blockbusters der letzten Jahre, die Spielsteuerung nahezu identisch. Beispiel: Y- bzw. Dreiecks-Taste = ein Pferd kurzschließen. Pardon: reiten.
Im Vergleich zum grafisch ansprechenden, aber ermüdend linearen Western-Shooter „Call Of Juarez“ kommt „RDR“ so wie der nerdige, manischere Bruder daher, der zu viel Zeit hat und es ganz genau wissen will. Seine Spielwelt ist größer, ausstaffierter, verschachtelter – kurz: lebendiger.
Von der Rahmenhandlung lässt sich das nur bedingt behaupten: John Marston, ein Ex-Gangster mit Dutzend-Gesicht, hat sich eigentlich zur Ruhe gesetzt, wird aber durch eine Art FBI-Vorgänger dazu gezwungen, seine ehemaligen Kumpane in den drei Spielwelten West Elizabeth, Nuevo Paraiso und New Austin zu jagen. Analog zu „GTA“ werden Missionen beim Spielen als Buchstabensymbole auf der Karte sichtbar und können zeitlich mehr oder weniger flexibel angesteuert werden – so wie die Nebenmissionen, die den wahren Reiz des Western-Kosmos ausmachen. Hier, in den fast meditativen Szenarien der Fleißaufgaben, entfaltet „RDR“ seinen wahren Zauber: Mögen Explosionen, Pferdeverfolgungsjagden und „Kills“ dem Spieler den Pulsschlag vorgeben – es sind wie bei „GTA“ die eher handlungsarmen, für die Haupthandlung irrelevanten Aktionen, die in dieser minutiös ausgestalteten Tag- und Nachwelt, in der es auch schneien, regnen, gewittern kann, wirklich für die großen Gefühle sorgen. Unterm Strich steht ein hochtouriger Western-Blockbuster, dem, um beim Bild zu bleiben, als Bonus noch eine 30-stündige impressionistische Western-Doku beiliegt.
 
Red Dead Redemptionfür Xbox 360 und PS3 (Rockstar Games)



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