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Lost Planet 2

Rettung naht

20.05.2010, 13:04, Text: Gregor Wildermann

Jun Takeuchi war nicht zu beneiden. Sollte er allein wirklich die gesamte japanische Videospielindustrie retten? Was war da überhaupt geschehen? Wer in den letzten Jahren nicht gerade ein Wii-Spiel entwickelte oder sonst mit Nintendo im gleichen Boot saß, hatte es im Westen äußerst schwer. Shooter made in Japan gab es praktisch nicht, und selbst ein grandioses „Resident Evil 5“ konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass man Serien vom Kaliber wie „Halo“, „Call Of Duty“ oder „GTA“ nicht in petto hatte.

Doch da gab es ebenjenen Jun Takeuchi, die Firma Capcom und ihr Spiel „Lost Planet“.

Die Geschichte vom Eisplaneten E.D.N. III und dem Schneepiraten Wayne Holden schien mit weltweit zwei Millionen verkauften Spielen schon mal sehr viel richtig gemacht zu haben, und für die Fortsetzung durfte sich ebendieser Jun Takeuchi ausdenken, wie er East und West noch einmal glücklich macht.
Herausgekommen ist ein seltsamer und doch faszinierender Hybrid, dessen Einflüsse bei Geschichte und Gameplay sich gleich aus mehreren Töpfen speisen. Die Handlung wurde auf zehn Jahre nach dem Vorgängerspiel verlegt, und wieder stapft man auf dem Planeten E.D.N. III durch dichte Schneemassen. Doch schon mit der ersten von sechs verschiedenen Charakter-Handlungslinien landet man in einer dichten Dschungellandschaft, die fast so wirkt, als habe Takeuchi das bessere Spiel zu James Camerons Film „Avatar“ machen wollen. Auch die anderen Handlungsorte wie Amaruba Jungle, Eismeer oder goldene Wüste lassen „Lost Planet 2“ immer wieder wie ein Mash-up aus „Sieben Samurai“, „Dune“ oder „Starship Troopers“ wirken. Zeit zum Nachdenken lässt das Spiel jedoch kaum aufkommen, denn vor allem die Boss-Kämpfe mit absurd großen Varianten der Akriden oder epischen Wurmwesen verlangen äußerste Konzentration und Geschick. Auf sich allein gestellt, macht „Lost Planet 2“ jedoch nur wenig Sinn, denn viele Abschnitte wirken und spielen sich wie ein Onlinegame, das man trotzdem im Single-Player-Modus spielt. Spawn und Re-Spawn – welch ein Spaß. Zum Glück nimmt dich dabei niemand zu ernst, und aberwitzig große Gatling-Kanonen, Konfettimunition, der bereits bekannte Wurfhaken und die wackeren Vital-Suit-Laufroboter liefern so viel Abwechslung, dass man zum Ausfüllen eines potenziellen Meckerzettels nicht mehr kommt. Dazu gesellen sich noch Gastauftritte von anderen Videospielhelden wie Frank West aus „Dead Rising“, Wesker aus „Resident Evil“ oder Marcus und Dom aus „Gears Of War“. Die beiden trifft man aber nur in der Version für Xbox 360, die man wegen inhaltlicher Kürzungen aufgrund von Datenspeichermangel leider nicht wirklich empfehlen mag.

 
Lost Planet 2für Xbox 360 und PS3 (Capcom)



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