Pixelsturm
Black Mirror II, NHL 2K10...
24.11.2009, 16:10, Text:
Niels Kleimann,
Paul Hüsing,
Jan Bojaryn,
Felix Scharlau
Unser Spiele-Marathon mit Felix Scharlaum,Jan Bojaryn, Paul Hüsing und Niels Kleimann. Schlaflose Nächte und rote Augen bleiben dabei nicht aus.
Black Mirror II für PC (dtp Entertainment) - Darren ist anfangs unerträglich. Der arrogante Student aus Boston arbeitet während der Semesterferien in einem Kaff in Maine und ätzt mit seinem Boss, dem Besitzer eines schmierigen Fotoladens, um die Wette. Dann aber passieren ein Unfall und ein Mord in unmittelbarer Nähe des Jungen. Angesichts der Katastrophen kann man durchaus Sympathie mit dem Protagonisten gewinnen, und das bisher gemütliche Adventure gewinnt an Fahrt. Man löst größtenteils nachvollziehbare Rätsel, reist durch die Weltgeschichte und deckt einen finsteren Kult auf. Ohne eine Miene zu verziehen, erzählt "Black Mirror II" seine olle Gruselgeschichte, und das macht Spaß.
NHL 2K10 für PS3, Xbox 360, Wii (2K Sports) - Was dem Fußball sein Zweikampf "FIFA" gegen "PES", war dem Eishockey in den letzten Jahren der Wettkampf zwischen EAs "NHL"-Reihe und dem "NHL 2K"-Franchise von Visual Concepts. Nach einigen starken Jahren präsentiert sich die "2K"-Serie zum zehnjährigen Jubiläum mittlerweile aber klar unterlegen. Während Modi und mit Abstrichen auch die Grafik immer noch auf gutem Niveau liegen, enttäuschen vor allem einige spielerische Elemente. Hob sich früher vor allem der Simulationsanspruch wohltuend von der Konkurrenz ab, ist der diesjährige Teil lediglich der Aufguss einer nicht mehr wirklich zeitgemäßen und arg aracadelastig gewordenen Reihe.
Fußball Manager 10 für PC (EA Sports) - Mehr oder weniger konkurrenzlos bewegt sich EA Sports in den letzten Jahren auf dem Fußball-Manager-Simulationsmarkt. Vielleicht wird man dabei zu selbstsicher. Der "Fußball Manager 10" ist zwar gut gemacht und auch schön anzusehen, allerdings fallen bereits nach ein paar Wochen Ingame-Spielzeit alte Fehler auf: Statistiken wie die ewige Tabelle werden fehlerhaft dargestellt, ins Ausland verliehene Spieler haben laut Anzeige nicht ein Saisonspiel gemacht. Auch das Speichern der eigenen Aufstellungen funktioniert in der 1.0-Version nicht, ohne dass das Spiel abstürzt. Aber vielleicht bringt einer der nächsten Patches ja schon die Lösung des Problems. Ansonsten gewohnt souveräne Managerkost, die so oder so jedes Jahr aufs Neue Spaß macht.
Machinarium für PC (Daedalic) - Wer braucht schon Menschen? Ein kleiner Roboter wird über einer von Maschinen bevölkerten Ruinenlandschaft abgeworfen. Er sammelt seine Gliedmaßen wieder ein und macht sich auf den Weg in die Stadt. Zu überwinden gibt es Grenzposten, Wachleute und Terroristen. Dabei helfen nur ein flexibler Körper, kleine Fundstücke und ein paar bekloppte Ideen weiter. Das handgezeichnete Robotermärchen von Amanita Design sieht wunderschön aus. Als Adventure ist "Machinarium" mitunter frustrierend, weil niemand spricht und oft nicht klar ist, wie's weitergeht. Entspannter Maschinenjazz und hübsch gemalte Tipps helfen aber über den Frust hinweg, wenn die Rätsel haarig werden.
Fairytale Fights für PS3, Xbox 360 und PC (Playlogic) - Manchmal, ja, manchmal kann einen die Videospielindustrie in ihrer weitestgehend innovationsfeindlichen Mischung aus Dividendendruck, Massenabspeisung und Ideenlosigkeit doch überraschen. So wie hier: Noch sind wir uns nicht ganz sicher, ob "Fairytale Fights" wirklich ein gutes Spiel ist. Aber immerhin: Sein Setting ist ein erfrischend eigenwilliges. In einer zum Teil schönen, zum Teil ärgerlich zu durchsteuernden Comic-Welt gilt es, als Teil einer Märchen-Entourage irgendwelche Aufgaben zu lösen, die kaum verständlich sind. Müssen sie auch nicht, denn eigentlich geht es um was anderes: Hänsel, Gretel, dem Wolf oder anderen bekannten und neuen Märchenwesen den Garaus zu machen. Nicht selten, indem man ihnen ganze Körperteile abhackt und den farbenfrohen Wald über und über mit Blut besudelt. Äh, aha. Hier hat aber jemand ein großes Gebrüder-Grimm-Trauma in sein Erwachsenenleben herübergerettet. Die USK dankt es mit einer Freigabe ab 18 - nur konsequent, denn das müsste für nicht wenige antisemitische Grimm'sche Märchen eigentlich auch gelten.
Need For Speed: Nitro für Wii und DS (EA) - Freie Fahrt, dann Vollgas in die Mauer, zurücksetzen, als Geisterfahrer auf die Gegenspur, Motor abwürgen. So ungefähr sah der Schlingerkurs der Marke "Need For Speed" in den letzten paar Jahren aus. Es gab so unterschiedliche und unterschiedlich überzeugende Spielkonzepte, dass einem zu der Serie mittlerweile nur noch das Stichwort "irgendwas mit Auto" einfällt. Dieses Jahr kamen nun sogar zwei unterschiedliche Titel. Der hier erscheint nur für Wii und DS, macht sich also gut als Ergänzung zu dem nicht auf Nintendo-Hardware portierten "NFS: Shift". Ein solides Wii-Spiel, das flüssig läuft, über eine gute Fahrphysik verfügt und am besten per Fernbedienung plus Nunchuk gesteuert wird. Sehr casual gehalten, aber keineswegs bezaubernd aussehend. Aber kein Wunder: Der Versuch, ein möglichst realistisches Rennspiel für Wii zu konzipieren, beinhaltet die Quadratur des Kreises. Denn die Konsole wäre schlicht zu schlecht für solche Vorhaben. So atmet "Nitro" kompromissgeschwängerte Luft. Wer die verträgt, könnte Spaß haben.
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