Batman: Arkham Asylum
Gotham City Nightmare
16.09.2009, 12:40, Text:
Gregor Wildermann
Batman muss in die Irrenanstalt – gut für uns. So erscheint dieser Tage eines der eindrucksvollsten Superhelden-Videospiele der letzten Jahre. Gregor Wildermann ging für uns schon vorab auf die düstere Jagd nach Joker.
Er kämpft für Gerechtigkeit, arbeitet im Schutz der Dunkelheit und vermeidet Tote, wann immer möglich. Schon die Grundphilosophie von Batman klingt nach der Arbeitsbeschreibung des perfekten Videospielhelden. Und doch hat es bisher kein Entwickler geschafft, diese Essenz auch in ein gutes Spiel zu gießen. Wann immer ein vorher viel gelobter Action-Titel auf den Markt kommt, stellt man sich bald schon die gleiche Frage: Warum hat ein italienischer Pixel-Klempner wie Mario eigentlich mehr Charisma als all die Superhelden, die mit 1000 Waffen und genialen Fähigkeiten trotzdem wie eine Schlaftablette wirken?
So besaß auch das Genre der Comic-Helden bisher keinen Freifahrtschein für ein gutes Spielkonzept: An einer gelungenen Umsetzung von Superman scheitern Spielestudios seit Jahren. Alle Titel zu Hulk wirkten allein schon wegen ihrer Optik kindisch. Und das Spiel zu Iron Man war 2008 eines der mahnenden Abschreckungsbeispiele im Worst-Game-Ever-Olymp. Lediglich Spider-Man funktionierte als Konsolenheld, und die Parallelen zwischen ihm und Batman legen nahe, dass in dieser Mischung aus körperlichen Stärken und moralischen Schwächen wohl der größte Reiz liegt.
Die Geschichte zu "Batman: Arkham Asylum" schrieb der langjährige Batman-Autor und fünfmalige Emmy-Gewinner Paul Dini, der als Handlungsort auch gleich eine Differenz zum klassischen Gotham-City-Setting initiierte: So wird Arkham Asylum, Gothams Psychiatrie für geisteskranke Kriminelle, zum Dreh- und Angelpunkt des Spiels. Rund 30 Figuren aus den Comics darf Batman hier jagen, in toll inszenierten Zeitlupen verprügeln, fangen und manchmal auch nur von einem Versteck unter der Decke beobachten. Bei all dem ist das Erscheinen des verrückten Jokers (im englischen Original gesprochen von Mark Hamill) oder von Endgegnern wie Killer Croc oder Harley Quinn nie vorhersehbar.
Die unterschiedlichen Situationen im Spiel erfordern ständig neue Überlegungen in Bezug auf die Verwendung der eigenen Mittel: Verwende ich jetzt das Amido-Black-Spray, einen Pheromon-Detektor, explosives Gel-Aerosol oder den Sonar-Resonator? Gerade der Stealth-Aspekt der Figur Batman, der immer darauf bedacht ist, möglichst unauffällig zu Werke zu gehen, lässt dem Spiel auch die nötige Ruhe, um richtig wirken zu können.
Die Planung des nächsten Angriffes wird dabei durch einen Detektiv-Modus unterstützt, den man jederzeit via Schultertaste auf dem Controller aktivieren kann. Gegner erscheinen dann in Skelett-Röntgen-Optik inklusive Angaben über Verfassung und Pulsschlag. All diese Mittel wirken spielerisch durchdacht und nie aufgesetzt, entsprechen sie doch immer der Wesensfigur Batmans. Der vielleicht beste Nebeneffekt der Comicwelt: Dank der USK-16-Einstufung können Jugendliche auch sehen, wie ein gutes Spiel für Erwachsene aussehen muss.
Batman: Arkham Asylum für PS3, Xbox 360, PC (Eidos)
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