Fuel
Agoraphobie und trotzdem glücklich
18.06.2009, 19:00, Text:
Gregor Wildermann
Was ist uns nicht schon alles versprochen worden: gigantische Schlachten, unbegrenzte Abenteuer und Welten, die man sich selbst mit viel Fantasie angeblich nicht ausmalen könne. "Fuel" hingegen hält in vielem Wort, was es verspricht, fand Gregor Wildermann heraus.
Die Zutaten von "Fuel", das unlängst noch den Projektnamen "Gran Raid Offroad" trug, klingen schon in der Zusammenstellung ungewöhnlich rational und gerade dadurch beeindruckend. Da wäre zunächst die schlichte Größe des Rennareals mit rund 14.000 Quadratkilometern - das ist in etwa die Größe Nordirlands. Selbst bei absoluter Höchstgeschwindigkeit versprechen die Entwickler der französischen Asobo Studios eine Fahrzeit von vier Stunden, bevor man das andere Ende der Karte erreicht.
Aber es bedurfte für diesen riesigen Spielsandkasten aus Wäldern, Wüsten, Bergen und Küstenabschnitten eines Rennkonzepts, das wirklichen Nutzen aus der vermeintlichen Unendlichkeit der Landschaft zieht. Der Sinn des Lebens beziehungsweise Fahrens liegt hier also in dem klaren Spielziel: Sprit gewinnen. Der ist in der gespielten Zukunft dann nämlich doch recht schnell knapp geworden und muss nun in Litern oder Gallonen erstritten werden. Dies geschieht Tag und Nacht mit einer von rund 70 Fantasiekarossen aus sechs Fahrzeugklassen, die abseits der Dragster an das Line-up aus Sonys "Motorstorm" erinnern.
Vorgegebene Rennen gibt es bei "Fuel" auch, jedoch erlebt man die Qualität des Spiels in vollem Umfang erst, wenn man online eigene Rennen startet, die man vorher aus bis zu 30 Checkpoints in der ganzen Umgebung erstellen kann. Dies ist dann sogar über verschiedene Plattformen möglich, in diesem Fall zwischen Xbox 360 und Windows-PCs. In der Weite der Umgebung stehen jedem Fahrer optional Hilfen wie ein interaktives GPS (dynamisch in der Umgebung eingeblendete Pfeilsymbole) oder bei Rennwechsel der Schnelltransport via Hubschrauber zur Verfügung. Ist "Fuel" damit das ultimative Rennspiel? Nein, aber doch ist es spannend zu sehen, wie die Grenzen im Genre Autorennspiel immer wieder neu ausgelotet werden. Das kommende "Colin McRae DIRT 2" setzt wesentlich mehr auf Entertainment als auf Simulation, während "Need For Speed: Shift" den Fokus gerade wieder auf Racing-Realismus legt. Wer deswegen Verfolgungsduelle mit der Obrigkeit vermisst, darf beim Download-Update zu "Burnout Paradise" unter dem Namen "Cops & Robbers" einsteigen. "Fuel" bleibt aber mit seinem Konzept einer offenen Welt bis auf Weiteres unangetastet, das ist schon jetzt klar.
Fuel für PS3, Xbox 360, PC (Codemasters)
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