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Resident Evil 5

Das Böse unter der Sonne

05.05.2009, 16:59, Text: Bernd Begemann

Willkommen in Afrika, geehrter Nachbarschafts-Zombiejäger. Wirklich eine nette Abwechslung nach düsteren Herrenhäusern, spanischen Bergdörfern und unterirdischen Laboren. Und ein willkommenes Comeback für Chris Redfield, einen der wenigen Überlebenden des ersten Teils.

Chris ist immer noch zerrissen von der Erinnerung an seine tote - oder ist sie doch nicht so tot? - Partnerin Jill Valentine. Er ist sehr düster drauf, lächerlich muskulös und hat einige Hühnchen zu rupfen. Er ist inzwischen Teil einer Spezialeinheit, die sich gegen die Bedrohung durch Biowaffen stemmt, und hält sich auf dem dunklen Kontinent auf, um einen krummen Deal zu verhindern.


So weit, so "24" oder "Alias - die Agentin". Doch dann, in den staubigen Gassen, fangen Leute an, sich komisch zu benehmen. Zuerst nichts Dramatisches, versteht ihr, bloß ein paar arme Schwarze, die etwas aggressiver als nötig auf leere Plastikflaschen einprügeln. Aber bald wird der Kral brennen und die Savanne widerhallen von den unmenschlichen Schreien der infizierten Untoten, und dann werdet ihr glücklich sein, so unermesslich glücklich. Denn dieses neue Abenteuer ist genauso gut wie der inzwischen klassische vierte Teil. Mit ein paar Unterschieden:

1) Er ist nur halb so umfangreich. Mit 10 bis 15 Stunden ist man hier dabei.
2) Er ist nicht so besonders gruselig. Unter der schieren Feuerkraft, die der Spieler mit sich herumschleppt, schmilzt die Bedrohung wie ice in the sunshine.
3) Es sieht großartig aus: HighDef-NextGen halt. Verbunden mit peinlich detailliertem Artwork, so realistisch, bis man die stinkenden Kadaver in den düsteren Seitenstraßen zu riechen vermeint. Hmmm ... Wie wünschenswert ist so was eigentlich?
4) Es hat eine revolutionäre Online-Spielmöglichkeit. Sehr unkompliziert und durchdacht schnappt man sich einen Internetpartner und kooperiert bei haarigen Bosskämpfen und endlosen Gegnerwellen. Es gibt keinen Futterneid, denn wenn ein Spieler einen Schatz aufsammelt, bekommen ihn beide. Geschwisterliche Verbundenheit stellt sich ein, wenn der Sebi aus Thüringen dir in letzter Sekunde den Fledermauswurm vom Rücken schießt. Sollte man mal offline sein, hilft eine schwarze Elitesoldatin mit künstlicher Intelligenz, und das macht sie recht gut, verschwendet keine Kugeln und steht nicht im Weg rum.



Und nun kommen wir zur Lifestylefrage Nummer eins: Wie rassistisch ist "RE5"? Nun, beim ersten Durchspielen, bevor wir einen dunkelhäutigen Charakter zur Auswahl haben, spielen wir das Spiel aus der Sicht eines weißen US-Amerikaners, der extrem viele - wenn auch zombiefizierte - Schwarzafrikaner abknallt und deren Diamanten klaut. Den Entwicklern war diese unglückliche Ikonografie wohl bewusst, denn sie stellen dem Helden einige hilfreiche schwarze Figuren zur Seite. Unsere Partnerin namens Sheva sagt Folgendes zur Begrüßung: "Ich bin wohl hier, um Sie [und gemeint sind natürlich die Skeptiker] ruhigzustellen." Bitte berücksichtigt das, liebe "Konkret"-Strafverfolger zur Bewahrung des schwarzen Stolzes! Abschließend könnte man urteilen: "RE5" ist weniger anti-afrikanisch als vielmehr anti-zombie und vor allem anti-gentechnik. Außerdem ist der böse Drahtzieher ein alter Bekannter und Überlebender aus früheren Teilen, der inzwischen Nietzsche'sche Übermensch-Perversionen entwickelt hat und rüberkommt wie eine Mischung aus dem alten Dieter Bohlen und dem jungen Wolfgang Joop. Also fast schon übertrieben weiß. Das Spiel ist klasse.

Resident Evil 5 für Xbox 360 und PS3 (Capcom)



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