Vom Tonband-Automaten zu "Lips"
Wie Karaoke die Welt eroberte
27.01.2009, 18:16, Text:
Felix Scharlau
Karaoke ist das Partyspiel der postmodernen Freizeitkultur schlechthin. Felix Scharlau über die filmreife Entstehungsgeschichte des Mitsing-Klassikers und seinen vorläufigen technologischen Endpunkt, das Xbox-360-Spiel "Lips".
Karaoke, das "leere Orchester", wie es übersetzt heißt, steckt seit seiner Erfindung 1971 voller Rätsel: Entsteht beim Spielen in der Gruppe der maximale Spaß dadurch, dass man möglichst gut, oder dadurch, dass man möglichst schlecht singt? Und woher stammt das Phänomen überhaupt?
Letzteres war bis 1996 eine berechtigte Frage. Zwar hatte das japanische Spiel damals längst seine Erfolgsreise durch die Bars und Wohnzimmer der Welt angetreten - trotzdem wusste man nicht einmal in seinem Heimatland, wer Karaoke eigentlich zu verantworten hatte. Erst die Recherchen eines Fernsehsenders aus Singapur brachten Klarheit: Daisuke Inoue, ein 1940 geborener Geschäftsmann aus Kobe, war der geistige Vater von Karaoke. 1970 hatte der damalige Drummer einer Showband ein Tonband mit Instrumentalversionen eingespielt, zu dem ein Geschäftsmann auf Reisen singen wollte. Inoue entwickelte daraufhin 8-Juke, die erste Karaoke-Maschine. "Ich kombinierte einfach ein Autoradio mit einem Münzfernsprecher und einem Verstärker", erzählte der interviewte Inoue vor einigen Jahren. "Wer käme je auf die Idee, so was zu patentieren?" Nun, nach Inoues Erlebnissen bestimmt ziemliche viele Menschen: Experten schätzen seinen Verlust aufgrund der nicht angemeldeten Erfindung auf 150 Millionen US-Dollar. Kein Wunder, dass der Mann, der vom Time Magazine jüngst in die Top 10 der einflussreichsten Asiaten gewählt wurde, zuvor über 20 Jahre als verschollen galt.
1 | 2 | ... weiterlesen »
Artikel kommentieren
Mehr Infos
Kommentare
Artikel kommentieren - Mehr Forumsdiskussionen
Social Network Login

Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
VERWANDTE ARTIKEL
- » Mitte Karaoke - Live



