Politik im Spiel 3
Antifaschistisches Gaming
27.11.2008, 16:46, Text:
linus volkmann
In "Counterstrike" wittert der Common Sense ja gerne den Untergang seines verlausten Abendlands. Dem ist natürlich nicht so - aber aller Sorgen ledig ist man dort trotzdem nicht. Gamer müssen sich auf Web-Plattformen oft mit Nazisprüchen auseinandersetzen. Linus Volkmann sprach darüber mit einem der Betreiber der Webseite antifa-gaming.de.
Was muss man sich allgemein unter dem Projekt und der Arbeit von "Antifa.Gaming" vorstellen?
Michael: Vorrangig sind wir eine Community aus Gamern mit dem gemeinsamen Interesse, faschistisches Gedankengut im eSport nicht weiter zu dulden. Wir haben ein gutes Redaktionsteam, das über aktuelle Ereignisse in verschiedenen Themenbereichen informiert. Des Weiteren betreiben wir ein großes Diskussionsforum zu Themen in den Bereichen Antifa-Arbeit und eSport. Wir stellen allen Interessierten unsere Public-Game-Server zur Verfügung, die von uns frei von faschistischen Äußerungen gehalten werden. Wir wollen aber nicht nur Anlaufstelle für ausagierte AntifaschistInnen sein, sondern auch für Leute, die sich einfach für das Thema interessieren.
Aus welcher Notwendigkeit ergab sich, dass ihr euren Fokus so konkret auf das Thema Spiele gelenkt habt?
Als Gamer wird man beinahe täglich mit neonazistischem Gedanken anderer Mitspieler konfrontiert. Diese äußern sie auf ganz unterschiedliche Arten und Weisen. Teilweise geschieht es plump über einen offensiven Nickname. Andere gehen noch einen Schritt weiter und beleidigen Spieler, wenn sie feststellen, dass sie ausländischer Herkunft oder irgendwie linksgerichtet sind. Zudem wollen wir AntifaschistInnen aber auch eine Plattform bieten, auf der sie zusammen zocken und sich über Politik, Games usw. austauschen können.
Wie wirkt ihr konkret auf das Problem von rechten Clans und Äußerungen ein?
Online sprechen wir, falls wir nicht auf unseren Servern spielen, die Administratoren der Server an, bestimmte Nazis zu sperren. In Spiele-Communitys werden Spieler oder Teams, die offensichtlich ihre neonazistische Gesinnung preisgeben, auch bei den Zuständigen gemeldet und bekommen dann eine Sperre, Strafe oder Verwarnung. Zudem kann man Hoster von Gameservern, die von Nazis benutzt werden, anschreiben, wenn sie auf ihrem Server neonazistische Musik laufen lassen oder Ähnliches. In der Regel steht zwar bei dem Hoster das Geld im Vordergrund, sodass sie nicht gekündigt werden. Aber verwarnt werden sie meistens doch.
Eure Seite hat mit VeryGames auch einen sogenannten "Hauptsponsor". So eine Verzahnung mit kommerziellen Zusammenhängen ist ja eher ungewöhnlich für Antifa-Arbeit. Wie wollt ihr das verstanden wissen?
Da wir für Antifa.Gaming keinen Mitgliedsbeitrag einrichten wollten, haben wir uns nach Sponsoren umgeschaut, die das Projekt finanzieren. Da wir alle Teil des kapitalistischen Systems sind, sehen wir auch nicht ein, wieso wir dann auf sowas verzichten sollten. Wer denkt, durch den Verzicht auf Sponsoren den Kapitalismus schwächen zu können, denkt unserer Meinung nach ziemlich verkürzt.
Wie problematisch seht ihr die starke Tradition von Weltkriegs-Shootern und überhaupt den Militarismus-Fetisch in der Games-Szene?
Natürlich sollte man Weltkriegs- oder Militär-Shooter kritisch betrachten, aber wer dann schlussendlich das Spiel nicht mehr von der Realität trennen kann, ist schon arm dran. WK-Shooter sollte man nun nicht verbieten, aber bei dem ein oder anderen Spiel wünscht man sich doch mal, dass das ganze Geschehen noch ein bisschen kritischer betrachtet wird.
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