Spiel in Essen
Wir sind alle Spiele-Nerds
27.11.2008, 16:39, Text:
Jan Bojaryn, Foto: Felix Scharlau
Die Essener Messe "Spiel" ist jährliche Pilgerstätte für 150.000 Menschen. Neben den Gästen ist vor allem eines spannend: Spiele, die man sonst nirgendwo findet. Jan Bojaryn war für Intro da.
Wie populär Brett- und Gesellschaftsspiele in Deutschland sind, bemerkt man normalerweise nicht. Wie auch? Die Spieler bleiben zu Hause und sind auf der Straße nicht am Haarschnitt oder den Schuhen zu erkennen. In Essen zeigen sie sich allerdings einmal jährlich: Sie kommen mit Sackkarren, Koffern und Ikea-Taschen.
Von außen mag die restlose Begeisterung vieler Gäste zwar seltsam wirken. Für manche Angereiste ist das Hobby allerdings längst zum Lebensinhalt geworden. Die "Spiel" ist für sie der Höhepunkt des Jahres, zu dem man, da alle Stühle besetzt sind, in süßer Verzückung auf dem Messeteppich hockt und Neues ausprobiert. Die Stände der großen Spielverlage sind immer überlaufen.
Aber Populäres kann man schnell genug im Laden oder im Jugendzentrum finden. Halle 4 besteht dagegen aus Spielideen und Verlagen, die keiner kennt. Niemand weiß heute noch, dass der Niederländer Garry van Elten 1970 "Space Race" in den Handel brachte. Das schöne Brettspiel um die Fahrt zum Mond und den Abbau der Mondmineralien geriet in Vergessenheit. Am Stand der Kartenspielmacher von 4 Trümpfe verkauft man die letzten 400 Exemplare, die van Elten zu Hause lagern hatte, für einen Zehner pro Stück. Neben dem Quartett vom "Autofriedhof Gürbetal" und "Autos in der DDR" stapeln sich die alten Schachteln.
Andere Geheimtipps haben bisher leider noch nicht einmal einen deutschen Vertrieb bekommen. "Chef's Diner Party" von Manabi Asobi Games ist ein Spiel über ausgewogene Ernährung, das vom japanischen Ministerium für Gesundheit und Soziales gefördert wurde. Um zu gewinnen, muss man eine kleine Ernährungspyramide ideal besetzen. Und das Ganze macht sogar Spaß. Erbaulich kommt auch "El Peregrino" daher, bei dem Spieler um die Wette auf dem Jakobsweg pilgern. Susanne Chu informiert am Messestand, dass man am besten "ein bisschen spanienaffin" sein sollte, dann könne man die Fragen im Spiel besser beantworten.
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