World Cyber Games 2008
Der Sport, der keiner sein darf
27.10.2008, 15:26, Text:
Felix Scharlau
Anfang November erlebt Köln das Finale der World Cyber Games - im elektronischen Sport eine Art Entsprechung zu den Olympischen Spielen. Als Vorbereitung fuhr die deutsche Nationalmannschaft Ende September ins Trainingslager nach Herzogenaurach. Felix Scharlau war mit zwei Ohren dabei und wollte wissen: Who put the Sport in eSport?
Eine Gruppe joggender Teens und Twens schält sich langsam aus dem Frühnebel. Zwei Möglichkeiten: eine Disco-Polonaise auf der Flucht oder die Bundeswehr. Beides falsch. Wer hier seine Runden zieht, ist in der öffentlichen Wahrnehmung das absolute Antiklischee des Sportlers bei seinem Lauftraining: der eSportler.
Insgesamt 40 Spieler umfasst die deutsche Nationalmannschaft, die dieser Tage beim Grand Final der World Cyber Games in dreizehn Disziplinen gegen 760 Spieler aus insgesamt 80 Ländern antreten werden. Zur Vorbereitung wurde tiefer in die Trickkiste gegriffen als jemals zuvor: Insgesamt 15 Betreuer kamen auf die Computerspieler, die nach den Erfolgen der letzten Jahre im eigenen Land natürlich besonders gut abschneiden sollen. Intro sprach mit Pressesprecher Thomas von Treichel über die ungewöhnlichen Trainingsmaßnahmen und darüber, was wir Anfang November in Köln erwarten können.
Was erhofft ihr euch denn vom WCG-Finale in Deutschland in Bezug auf die öffentliche Wahrnehmung zum Thema eSport?
Mit dem Grand Final in Köln hoffe ich noch mehr als sonst, dass Leute sich mit der Thematik beschäftigen, die keine eSportler sind. Dass Medien und Politiker und auch Eltern vorbeikommen und sich anschauen, was hinter dem Thema Gaming steckt und warum "der Gamer" einer der kommunikativsten Menschen ist, der jemals gelebt hat.
Erklär doch mal bitte kurz, wie sich euer Trainer-Team zusammensetzt und was an diesem Vorbereitungswochenende so alles passiert ist.
Das 15-köpfige Funktionärsteam besteht aus zwei Team-Captains mit Assistenz, einem Pressesprecher, einem Teampsychologen, einem Teamphysiotherapeuten und einer großen Anzahl von strategischen Beratern für die einzelnen Spiele. Die sollen die Gegner analysieren, besorgen Replays und bereiten abends in Teammeetings auf die nächsten Duelle vor. Das Teamcamp in Herzogenaurach war so eine Mischung aus klassischem Sport wie Laufen, Fußball oder Basketball und einigen Teambildungsmaßnahmen. Es gab Workshops zu den Themen "Psychische Vorbereitung", "Media-Training" und "Gruppenverhalten" - und selbstverständlich wurde auch gespielt.
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