Soul Calibur IV
Epo für die Konsole
18.08.2008, 18:22, Text:
Gregor Wildermann
Kulissen kitschiger als Schloss Neuschwanstein, Kämpfe brutaler als manches Grindcore-Konzert und mittendrin Samurais sowie gute und böse Jedi-Ritter. Was soll das für ein Spiel sein?
Es gibt Spiele, die mit den besten Freunden, schmierigen Chipsfingern und einigermaßen betrunken am meisten Spaß machen. Und es gibt Spiele, die man vorführt, wenn man beweisen will, wie verrückt japanische Entwickler mitunter sein können. "Soul Calibur", das 1999 zum ersten Mal erschien, fällt in diese Kategorie und liefert gleichzeitig Dutzende Argumente, es gar nicht erst anzufassen.
Im Unterschied zu anderen Kampfspielen oder Beat'em-ups wie "Tekken" oder "Virtua Fighter" haben die Kämpfer in den kunterbunten Arenen hier jeweils ihre eigenen Waffen, die selbstverständlich immer am Rande des Irrwitz' angesiedelt sind. Schwerter so groß wie Strommasten oder Rüstungen so protzig wie Donald Trumps Wohnzimmer können sich eben nur Japaner ausdenken. Auch Namen wie Ritter Siegfried, das Tierwesen Lizardman, Doppelschwert-Pirat Cervantes oder der gern gewählte Samurai Mitsurugi deuten an, dass hier nur ganz großes Helden-Kino aufgefahren wird.
Doch selbst damit gaben sich die Entwickler der Spielhallenprofis Namco nicht zufrieden: In einem Anfall von cleverem Cross-Plattform-Marketing treten in der Rolle von Gaststars je nach Plattform Darth Vader (PS3), Yoda (Xbox 360) sowie ein weiterer Jedi-Schüler auf. Klingt absurd? Genau das ist gewollt, und obwohl gerade der Kampf gegen das grüne Wurzelwesen sich als etwas unfaire Variante erweist, akzeptiert man in diesem Kosmos der Extreme auch solche Herausforderungen. Dabei geizen die verschiedenen Spielmöglichkeiten nicht mit verwirrender Vielfalt. Neben einem Online-Modus und einem Editor für eigene Charaktere erscheinen Arcade-Modus und der Story-Modus mit angedeuteter Fantasy-Irrwitz-Geschichte zunächst übersichtlich.
Aber wie genau bewahre ich meine Lebensleiste? Ab wann hole ich zum "Critical Finish" aus? Das Lesen des Handbuchs verwirrt mehr, als dass es weiterhilft. Zumindest sind im Gegensatz zu früher mittlerweile alle Bildschirmtexte in deutscher Sprache, und im Modus "Schicksalsturm" erscheint auch der Aufstieg gegen andere Kämpfer optisch logischer. Die Moves in den einzelnen Battles beschränken sich zuerst auf Blocken, Schlagen und Treten, doch solange es die eigenen Sehnen zulassen, probiert man schnell auch komplexere Manöver aus. Spätestens dann ist man verloren im Sog des Siegeradrenalins und versteht, warum solche Spiele als Viagra des Konsolen-Business immer wieder funktionieren werden. Früher, heute und solange es Laserschwerter gibt.
Soul Calibur IV für PS3 und Xbox 360 (Namco / Ubisoft)
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