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Grand Theft Auto IV

Trailer: 48 Minuten sind ein Tag

[Rockstar Games / Take 2 (PS3, Xbox 360)]

24.04.2008, 13:10, Text: Felix Scharlau

Der Urlaubsantrag ist eingereicht, die Konsole poliert, die Fenster sind abgedunkelt: Etliche Deutsche sitzen in diesem Moment im Dunkeln und warten auf den Postboten. Warum? Am 29.04. veröffentlicht Rockstar Games 'GTA IV'. Den neuen Teil der innovativsten, umstrittensten und subversivsten Videospielserie der Welt. Felix Scharlau hat ihn sich angeschaut.


Wie erklärt man jemandem, der (wie ein Kollege) 'Grand Theft Auto' lange für eine amerikanische Versicherung hielt, den Reiz von 'GTA'? Vielleicht so: 'GTA' ist strukturell das absolute Gegenteil von 'Tetris'. 'Tetris' war zweidimensional, streng linear, kannte nur drei grundsätzliche Befehle (drehen, Richtung ändern und runterplumpsen lassen), und seine Welt endete noch vor dem Rand des Monitors. Sich 1985 jenseits der Spielfeldbegrenzungen sehr viel mehr auszumalen grenzte an Science-Fiction. 'GTA IV' hingegen ist dreidimensional, spielt in einer Welt, deren Durchquerung (mit dem Auto!) circa eine Stunde dauert, und bietet die Möglichkeit, fast alles zu tun. Mehr oder weniger wann und wo man will. Kurz: Auch 'GTA IV', das wie schon 'GTA III' (2001) in Liberty City, einer Kopie von New York, spielt, ist wieder mal digital gelebte Freiheit. Auch wenn diese Freiheit erneut unter Beschuss steht.



Wo Freigang, da auch Knast
Niko Bellic, die zu spielende Hauptfigur, schaut grimmig aus dem Plasma-Fernseher mit 3-Meter-Bilddiagonale. Über dieses Gerät zeigte die Münchener Vertretung von Rockstar in den vergangenen Wochen einigen ausgewählten deutschen Magazinen 'GTA IV'. Und jeder wusste: Mehr als das bisschen hier gibt es nicht. Keine Vorabversionen, keine Interviews mit den Entwicklern von Rockstar North aus Dundee, Schottland. Rockstar Games sind den 'GTA'-Hauptfiguren sehr ähnlich: Sie geben sich verschlossen und stehen unter Dauerfeuer.

Im realen Leben heißt der Rockstar-Endgegner Jack Thompson. Ein US-amerikanischer Neo Con und Anwalt, der den Publisher Take Two seit Jahren mit Klagen überzieht. Er wirft dem Spiel Gewaltverherrlichung, Misogynie, Rassismus und einiges mehr vor und kämpft an vorderster Front für ein Verbot. Take Two erwidert seitdem Klagen mit Gegenklagen - zum Großteil erfolgreich.

Tatsache ist: Auch "der Neue", Niko Bellic, muss in 'GTA IV', das bei uns ungeschnitten, dafür aber erstmals ohne Jugendfreigabe erscheint, wieder Menschen töten, um halbwegs selbstbestimmt leben zu können. Dennoch könnten die Unterschiede zwischen 'GTA IV' und einem klassischen Shooter größer nicht sein. Während Letztere meist in einen mehr oder weniger statischen Kriegszustand hineinzoomen, die Grundsituation im Spielverlauf selten verlassen und das Töten, wenn es nach den Kritikern geht, zum vermeintlich einzigen Spielanreiz erhöhen (was in der Regel ebenfalls nicht stimmt), erzählt 'GTA' immer und vor allem: eine Geschichte. Und die nicht mal schlecht. Ihre Handlung und Dialoge liefern Argumente, zeigen Zerrissenheit, Zweifel, Moral und Unmoral, benennen Schuld und Unschuld der Hauptfigur, die immer aus einem fest zementierten Underdog-Status heraus kämpfen muss.


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