Andreas Rosenfelder
Digitale Paradiese
20.03.2008, 17:16, Text:
Felix Scharlau
Andreas Rosenfelders Essaysammlung mit dem etwas schwülstigen Titel "Digitale Paradiese" beleuchtet die großen innovativen Spieletitel der letzten 30 Jahre. Er stellt deren Erzähltechniken und spielerische Innovationen in einen Sinnzusammenhang (und dadurch auf die gleiche Stufe) mit arrivierter Hochkultur. Killerspieldebatte, Spielsucht und bildungsbürgerliche Ressentiments gegen das Genre bleiben weitestgehend vor der Tür.
Das Buch liefert vielmehr vermeintlich proaktiv eine zum Teil intelligente Games-Beweihräucherung, über deren zwischenzeitliche Pointiertheit sich Spiele-Fans freuen dürften. Beispielsweise dort, wo es um das absurde Zusammenfallen von Arbeit und Freizeit beim Computerspielen geht. Denn augenzwinkernd wird die Perversität dargelegt, die dazugehört, sich freiwillig dem protestantischen Leistungsprinzip zu unterwerfen, indem man bei "GTA" zum zwanzigsten Mal versucht, die schwierige Gabelstapler-Mission zu schaffen, obwohl man doch nur einen virtuellen bzw. absurden emotionalen Gewinn davonträgt.
Mitunter wirkt aber genau dieser laterale Referenz-Gestus des Buches auch zu bemüht - nicht alle erwähnten Spielelemente lassen sich so stichhaltig in die Tradition des klassischen Bildungsromans oder der Thesen von Platon bis Adorno stellen, wie Rosenfelder es gerne hätte. So ergibt sich das Buch mitunter eben doch latent einer hochtrabenden Rechtfertigungsrolle gegenüber den unsichtbaren Gegnern des Genres. Für Gamer birgt das Buch aber interessante Ansätze, auch wenn es bei der konkreten Abhandlung einzelner Titel bisweilen zu oberflächlich ist. Nichtgamern hingegen wird Toleranz gelehrt. Sofern sie in der Kürze die Argumentation und das Wesen der erwähnten Spiele überhaupt zu erfassen vermögen.
Andreas Rosenfelder "Digitale Paradiese. Von der schrecklichen Schönheit der Computerspiele" (KiWi, 191 S., EUR 8,95)
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