
Burnout Paradise
Electronic Arts
21.02.2008, 15:28, Text:
Gregor Wildermann
Sich selbst neu zu erfinden ist eine Disziplin, die vielleicht von Madonna beherrscht wird. Aber kann sie auch für ein Rennspiel funktionieren, in dem die Inszenierung des ultimativen Autounfalls schon in der allerersten Spiel-Version perfektioniert wurde?
Eine gute Frage, wurde doch der bewusst herbeigeführte und in Zeitlupe inszenierte Autocrash schon in der ersten \"Burnout\"-Edition von 2001 zum zentralen Spielinhalt.
Wer zuerst im Ziel ankam und wie schnell das geschah, das hatte sicherlich immer noch seine Bedeutung. Der Begriff Schadenfreude aber erlebte in den Zerstörungsorgien eine ganz neue Bedeutung. Dabei funktionierte jedes bisherige \"Burnout\"-Spiel eher wie ein klassischer Flippertisch - das Auto ist die Kugel, und jeder Bandenkontakt bringt Punkte. Doch was würde passieren, wenn der Flippertisch plötzlich keine Seitenwände mehr hätte?
Das Prinzip einer offenen Welt, die man frei befahren kann, ist mit der \"GTA\"-Serie bestens in der Gangsterwelt verankert worden. Für Rennspiele wollten \"Test Drive Unlimited\" und zwei Editionen von \"Need For Speed\" dieses Rezept etablieren, was zum Teil funktionierte, aber auch konservativ oder mit dem Einhergehen geringer Spieltiefe umgesetzt wurde. Das neue \"Burnout\" besitzt nun also ein 30 Quadratkilometer großes Stadtareal namens Paradise City, und es ist wohl fast überflüssig zu erwähnen, dass der gleichnamige Guns-N'-Roses-Klassiker zum Soundtrack aus einer Spannbreite von Depeche Mode bis Adam & The Ants gehört.
Zunächst ein spielerischer Nachteil, später Teil des Spielreizes: Es gibt keine klaren Wegmarkierungen mehr. Die zentralen Fragen also: Wo stehen Rampen? Wo ist eine Abkürzung? Wo ist eine der acht Werkstätten? Zur richtigen Offenbarung wird das Prinzip der offenen Stadt im Online-Modus, den man hier nicht durch einen komplizierten Menüwechsel und langwierige Voreinstellungen bewältigen muss. Ein Knopfdruck am Controller reicht, und automatisch werden die Online-Parameter in die bestehende Fahrwelt eingeladen.
Fast schon schade, dass man dafür nur den banalen Namen EasyDrive-System gefunden hat. Wer einmal das System begriffen hat und sich in der Stadt zu Hause fühlt, verabredet sich schnell auch mit Freunden zu herrlich sinnfreien Sprung- und Crashwettbewerben, die selbst Evil Knievel noch mal aus dem Grab holen könnten. Besitzer einer Xbox-Live-Kamera können sich im Spiel dazu noch auf Mugshots verewigen, die bei jedem gelungenen Online-Takedown in die eigene Gegnergalerie aufgenommen bzw. getauscht werden. Fazit: Das neue \"Burnout\" ist definitiv ein besseres \"Burnout\".
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