
Uncharted: Drake's Fortune
Action-Adventure
23.01.2008, 11:12, Text:
Gregor Wildermann
Wer erinnert sich noch an den Pepsi-Test? Diesen leicht fehlgeleiteten PR-Stunt aus den 80er-Jahren könnte man 2008 eigentlich noch mal neu für die Videospielbranche auflegen.
Bester Kandidat für einen Augentest ohne Markenaufdruck wäre "Uncharted: Drakes Schicksal" von Sony, die damit einen ersten Playstation3-Titel vorlegen, der wirklich für die Konsole gemacht zu sein scheint. Auch wenn man von den vier Buchstaben der besagten japanischen Elektronikfirma erst einmal nichts ahnte, würden die Komplimente zum Spiel nur so poltern. Die Dschungellandschaft sieht beeindruckend echt aus, die Fahr- und Schusssequenzen sind packend inszeniert, und momentan gibt es wohl in keinem Spiel so flüssige Charakteranimationen. Toll, super, bitte mehr davon.
Doch ähnlich wie beim Pepsi-Test gibt es da diesen Nachgeschmack, der dann einfach nicht zu ignorieren ist. Da wäre die Handlung, aus der man so viel mehr hätte machen können: Nathan Drake hebt in karibischer Kulisse einen Sarkophag, in dem sich ein kleines Büchlein mit Hinweisen zu einem versteckten Schatz vom Entdecker Sir Francis Drake findet. Zusammen mit der Reporterin Elena Fisher macht sich Drake auf die Suche nach dem Goldschatz von Eldorado, den sehr schnell auch noch andere Schwerenöter in die Hände bekommen wollen. Schon in dieser kurzen Beschreibung sind die geschielten Ähnlichkeiten zu Lara Croft etwas zu auffällig - doch daraus will man dem Spiel nicht unbedingt einen Strick drehen.
Aber warum muss die Hauptfigur wie ein langweiliges Unterhosenmodel von Bruno Banani aussehen? Warum muss die Blondinenbegleitung so wirken, als könnte sie direkt aus dem nächsten Sat.1-Movie-Movie-Film-Film stammen? Warum sind die Rätsel keine wirklichen Rätsel, warum sind die Hintergrundgeschichten so extrem dünn gestrickt, und warum wird die tolle Spiellandschaft nicht für ein echtes Abenteuer genutzt?
Spätestens dann würde beim Pepsi-Test die Banderole um den Becher gelüftet, und man wüsste, warum es auf bestimmte Fragen manchmal nur eine Antwort gibt. Sony und Entwickler Naughty Dog haben leider alle Ecken und Kanten dieses Spiels glatt gefeilt und etwas geliefert, was in ihren Augen allen schmecken muss. Dabei wäre es, um beim Bild zu bleiben, gut gewesen, wenn sie 50 statt 34 Stück Zucker in die Mischung geworfen hätten. Der Kompromiss zum Kompromiss hilft einfach nicht weiter, und so ist "Drake's Fortune" zwar ein sehenswertes, aber eben nicht unbedingt wichtiges Spiel. Und den Durst löscht Sony damit noch lange nicht.
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