E3 2007

Die schlanke Linie

15.08.2007, 08:00, Text: Gregor Wildermann

Es ist schon bemerkenswert, wenn im Land der Superlative plötzlich tiefer gestapelt wird. Über Jahre war die Electronic Entertainment Expo (E3) als weltweit wichtigste Videospielmesse in Ausstellerzahl und Flächenquadratmeter gestiegen. Was als Fachmesse gedacht war, wurde jedoch zum bunten Rummelplatz, und wirklich wichtige Titel zeigte man dann doch oft lieber \\"behind closed Doors\\". Also sah man in Los Angeles das \\"Downsizing\\" als rettende Lösung - vom großen Convention Center in Downtown zog man in einen kleinen Flugzeughangar sowie in umliegende Hotels in Santa Monica. Bei den Pressekonferenzen blieb man dafür den gewohnten Verhältnissen treu, was in einer Medienwelt von YouTube & Co. für die Berichterstattung wohl auch so bleiben wird. Vielleicht passt die Mini-E3 auch besser zur Neuigkeitenlage, denn wirkliche Überraschungen hatte man im Vorfeld nicht erwartet.

Bei den großen drei Konsolenherstellern stand eine Bestandsanalyse auf dem Plan. Dabei konnte sich Nintendo besonders entspannt zurücklehnen. Ihre Wii-Konsole geht wie fangfrischer Thunfisch über die Ladentheke, und beim Nachschlag wird konsequent in die gleiche Kerbe geschlagen: Dank einem begehbaren und berührungsempfindlichen Balance Board in Kombination mit \\"Wii-Fit\\" verwandelt man selbst eine verrauchte Nerdbude in einen Fitnesstempel. Für den eher klassischen Gamer zeigte Nintendo endlich das finale Design ihres Wii-Zapper, mit dem die bisher eher verkrampften Shooterspiele endlich auch auf der Wii spielbar werden und dabei gleichzeitig alte Spielhallenzeiten wieder aufleben lassen.


Auch die Vorstellungen bei Sony zeigten, dass die Firmen jetzt endlich eine gute Balance zwischen Freizeitspielern und den Dauerdaddlern suchen. Das Supergrafik-Macho-Shooterspiel \\"Killzone 2\\" gesellt sich da direkt neben das kindlich verspielte \\"Little Big Planet\\", mit dem Mann und Frau ihre Spielwelten im Baukastenprinzip plus Tim-Burton-Ästhetik selbst basteln können. Die lange eher stiefmütterlich behandelte PSP wurde von Sony auf einige ihrer Schwachpunkte hin verbessert. Das Ergebnis kann sich weniger sehen als fühlen lassen: Der bessere Akku hält länger, die UMD-Discs werden dank größerem Arbeitsspeicher schneller gelesen, und passend zur schlanken Linie wurde das Gesamtgewicht der mobilen Konsole um rund 30 Prozent verringert. Der Schatten aller alten PlayStation3-Rückschläge war auf der E3 dagegen kaum noch sichtbar, und es scheint nun eher eine konkrete Preisfrage, wie oft das Gerät ins Wohnzimmer einzieht.

Auch bei Microsoft konzentrierte man sich abseits der mit HDMI-Anschluss hochgerüsteten Xbox360-Elite, einem neuen Controller für Casualgames, und der sehr praktischen, weil direkt ansteckbaren Konsolentastatur Chatpad ganz auf die Software. Während es bei den diesjährigen Blockbustern wie \\"Halo3\\" oder den exklusiven Inhalten zu \\"Grand Theft Auto IV\\" kaum Neuigkeiten gab, zeigte ein Trailer zu \\"Project Gotham Racing 4\\" spektakuläre Motorradsequenzen und Wettereffekte, die selbst im kleinsten Quicktime-Fenster beeindruckend aussehen. Bei den Drittherstellern bekam ElectronicArts für das neue \\"Simpsons\\"-Spiel den wohl größten Applaus. Denn bei diesem Titel wirkt es tatsächlich so, als könne man jede Folge nun interaktiv noch mal erleben.

Ein Name wurde schließlich in Los Angeles in Verbindung mit dem Neuanfang der E3 ebenfalls immer wieder genannt: Leipzig. Längst keine \\"German Kleinigkeit\\" mehr, hat sich die Stadt mit ihrer Games Convention fest bei den Herstellern im Terminkalender etabliert. Auch wenn sich dieses Jahr nochmals beweisen dürfte, dass die Messe an ihrem bisherigen Standort in puncto Kapazitäten an ihre Grenzen angelangt ist. Umzug oder Verkleinerung? Leipzig wird hoffentlich eine bessere Antwort als Los Angeles einfallen.



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aus Intro #153 (September 2007)
 
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