Flipper

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16.08.2007, 16:02, Text: Felix Scharlau, Foto: Felix Scharlau

195 neue Flippertische wurden 2006 nach einer Studie des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung in Deutschland verkauft. 1979 waren es 40.000 - Flipper sind vom Aussterben bedroht. Ein sentimentaler Text über die bewegte Geschichte der vielleicht schönsten Spielgeräte der Welt. Über Nachlassverwalter, Filmemacher, leuchtende Augen und darüber, dass es Hoffnung im Privaten gibt.

Die Geschichte des Flippertischs ist lang und ruhmreich - leider aber auch äußerst tragisch. Seit den 1930ern, seit sich allmählich die heutige Form des Flippers herausschälte, feierte das Spiel viele Erfolge, Tiefschläge, Endzeitstimmungen und Revivals. So waren die 1970er zum Beispiel das Flipper-Jahrzehnt schlechthin, die 1980er so gut wie tot, und die 1990er erlebten, zumindest für die Dauer von wenigen Jahren, ein Revival, das unter anderem den mit über 20.000 gebauten Geräten erfolgreichsten Flipper aller Zeiten hervorbrachte: \"The Addams Family\". Kein Problem, wird bestimmt schon wieder, könnte man meinen.


Leider nicht. 2007 sieht es so aus, als habe die Tradition definitiv einen Point of no Return erreicht. Mit Stern gibt es (abgesehen von der australischen Firma The Pinball Factory, die alte Modelle nachbaut) nur noch einen kommerziellen Flipper-Hersteller weltweit. Der baut in Illinois, seit den 1930ern die amerikanische Flipperwiege, immer weniger neue Modelle pro Jahr in immer geringerer Stückzahl - zuletzt einen \"Family Guy\"- und einen \"Spiderman\"-Flipper. Der Grund für die Misere: An Orten, wo man vor einigen Jahren noch reihenweise Automaten fand - in Spielhallen, Eckkneipen, Jugendzentren und Discos -, steht heute ein Geldspielautomat, eine Plastikpalme oder nicht selten: gar nichts. Die Gründe dafür sind vielfältig.

\"Früher wurden Flipper in Spielhallen als Raumfüller aufgenommen: Die Lizenz galt immer nur für eine bestimmte Anzahl von Geldspielgeräten, und der Rest musste irgendwie ausgefüllt werden. Durch Billard-Tische, durch Flipper, was weiß ich\", so Harald Fleischhauer vom Flippermuseum \"Extraball\" in Neuwied. \"Dabei nimmt ein Flipper von seiner Standfläche her doppelt so viel Platz ein wie ein Geldspiel- oder Videospielautomat. Und die bringen viel, viel Geld ein, während ein Flipper praktisch keine Einnahmen bedeutet.\" Das hat leider seine Gründe: Flipper waren und sind in der Anschaffung teuer und bedürfen einer starken Wartung. Schon beim kleinsten Fehler im Flipperarm verliert der Tisch seinen Reiz, wird nicht mehr gespielt. Ein Handwerker des Aufstellers muss kommen. Eine mühsame und teure Angelegenheit - aber das war schon immer so.

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aus Intro #153 (September 2007)

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