PlayStation3

Oder: Policy of Truth

27.03.2007, 11:00, Text: Gregor Wildermann

Jetzt ist sie wieder da, die Kernfrage, wenn es um Videospielkonsolen geht: Lohnt sich das? Ist diese schwarze Erscheinung namens PlayStation3 wirklich 600 Euro wert? Seit dem 23. März steht die PS3 in europäischen Läden. Und selbst wer absolut keinen Zweifel am Preis-Leistungs-Verhältnis hegt, stolpert zunächst über ein Grundproblem, denn bei den beschränkten Stückzahlen dürfte es eher unwahrscheinlich sein, in den ersten Wochen eine der Konsolen kaufen zu können. Aber davon einmal ganz abgesehen: Die Unsicherheit bleibt auch in den kommenden Monaten: Lohnt es sich wirklich schon jetzt, eine PlayStation3 zu kaufen?


Wer sich noch an den Verkaufsstart der PlayStation2 erinnert, dürfte jenes Hin und Her der Gefühle schon kennen, auch wenn die Begeisterung vor sechs Jahren inhaltlich eine etwas andere war: Mit der zweiten, hochkant gestellten Sony-Konsole wägte man sich tatsächlich auf dem Sprung ins neue Jahrtausend. Eine genial abstrakte Werbung, unter anderem mit einem Clip von David Lynch, versprach damals einen “Third Place”, den man lieber gestern als heute aufsuchen würde. Auch bei der Einführung der PS2 wirkte das Start-Line-up der Spiele eher dünn, aber das nahm man Kopf nickend in Kauf.
Und 2007? Wer sich für das Thema PlayStation3 interessiert, wird erfasst von einer Flut von Meinungsfetzen. Erst gab es diverse Release-Verschiebungen, dann viel zu wenig Konsolen bei den Verkaufsstarts in Japan und den USA. Es gab Schlagzeilen über Konsolen-Diebstähle, die inhaltliche Fragen noch weiter nach hinten rutschen ließen. Schlimmer noch waren die Meldungen von Spielentwicklern und Publishern, die sich über verspätete Entwicklerkits und die hohen Produktionskosten beschwerten. Auch die Vorstellung des bewegungsempfindlichen SixAxis-Controllers geriet zu einer zu offensichtlichen Trittbrettfahrernummer im Angesicht des nahenden Erfolges von Nintendos Wii-Konsole.
Ein tieferer Blick in die Firmenpolitik von Sony offenbart, dass nicht nur die Marke PlayStation gelitten hat. Apple hat Sony mit dem iPod längst die alte Krone des Walkman abgenommen, und auch bei den Flachbildschirmen verpasste Sony zunächst den Trendwechsel. Selbst Datenträger wie Mini-Disc oder UMD, die die Abspaltung von der PSP völlig verpasst hat, erwiesen sich als Einbahnstraßen. War Sony hochnäsig und arrogant? Hat der japanische Konzern das Gespür für die Zukunft verloren?
Bei einem Marktanteil von gut 70 Prozent schien das Konsolengeschäft tatsächlich in der Hand von Sony zu liegen, und gerade die langfristige Produktplanung mit Zeiträumen von zehn Jahren lässt die Geschäftpolitik bei einem immer schneller reagierenden Unterhaltungsmarkt nur schwer begreifen. Wer jetzt überlegt, welche Konsole gekauft werden soll, den interessiert nicht, ob in einem Jahr oder später vielleicht ein oder zwei neue Top-Titel anstehen. Ein Blick auf das Start-Line-up reicht, um das momentane Dilemma der PlayStation3 zu verstehen: Von drei Dutzend Spielen sind nur drei wirklich neu oder so noch auf keiner anderen Plattform erhältlich. Alle anderen sind älterer Natur, auch für Xbox360 oder Wii spielbar oder Fortsetzungen bekannter Lizenzen und Franchises. Dazu gesellen sich Spieletitel, die teilweise eingeschränkten Funktionsumfang haben: Warum funktioniert die My-Soundtrack-Funktion von “DefJam: Icon” in der PS3-Version nicht? Warum fehlt in der PS3-Version von “Virtua Tennis 3” der Onlinemodus?

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