Okami

Capcom

[PS2, Genre: Fantasy-Adventure]

28.02.2007, 11:53, Text: Gregor Wildermann

Story: Wer bisher im Gespräch mit anderen ein Videospiel als “poetisch” bezeichnet hätte, der wäre wohl eher abfällig belächelt worden. Doch “Okami” verdient dieses Prädikat visuell und inhaltlich: Erzählt wird die Geschichte des Sonnengottes Amaterasu, der in der Verkörperung eines weißen Wolfs die Landschaft durchstreift. Seit einer Heimsuchung durch ein Monster namens Orochi ist die einstmals heile Welt und sein Heimatort Kamiki jedoch in Finsternis getaucht. Im Spielverlauf erlernt der weiße Wolf dreizehn verschiedene Fähigkeiten, um gegnerische Wesen zu bekämpfen oder die Natur wieder zu heilen. Dabei wird er von einem kleinen Käfer namens Issun begleitet, der ihm regelmäßig Tipps gibt.
Handling:
Während sich der Wolf ganz konventionell steuern lässt und nur einige Tierlaute von sich gibt, sind die Möglichkeiten bei den Einzelaktionen fast schon erschreckend japanisch ausgefallen: Nach Knopfdruck am Controller färbt sich das Bild zuerst in einen Sepia-Ton, die Handlung wird eingefroren, die Kamera bleibt jedoch beweglich, und aus dem Schwanz des Wolfes wird ein Malpinsel, der ungeahnte Möglichkeiten bietet. Im Malstil einer traditionellen Tuschezeichnung kann der Spieler Brücken über Flüsse malen, Gegner mit dem Pinsel im wahrsten Sinne durchstreichen oder Naturerscheinungen wie Wind oder Wasser herbeirufen.
Was bleibt:
Leider brachte “Okami” für seine Erfinder nur wenig Glück: Das Entwicklerstudio mit dem Namen Clover unter der Leitung von Atsushi Inaba wurde Ende 2006 geschlossen, und es bleibt fraglich, ob es jemals wieder ein vergleichbares Spiel geben wird. Sicherlich verlangt “Okami” dem Spieler eine gewisse Umgewöhnungszeit ab, und auch der Spielanfang hätte etwas temporeicher ausfallen können. Aber ähnlich wie beim Musikspiel “Rez” oder dem Shooter “Killer7” wird einem sehr schnell klar, welches Unikat man da gerade spielt und welchen Mut das Studio gerade vor dem Hintergrund der sonst auf Genres fixierten Videospielindustrie aufgebracht haben muss.
Glanzlicht:
Nur ein Glanzlicht zu nennen wäre für dieses Spiel eine wirkliche Beleidigung, denn abseits von der tollen Spielidee sind die farbenprächtigen Szenarien oft derart schön, dass man sie am liebsten gleich als ewiges Bild einfrieren möchte. Besonders beeindruckend sind die Momente, in denen sich die vormals tote Landschaft durch einen Pinselstrich wieder in ein Blumenmeer verwandelt. Wie schade, dass eine solch gottreiche Geste dem wirklichen Leben leider abgeht.




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