
Gothic 3
JoWood / Deep Silver
20.11.2006, 06:00, Text:
Oliver Zeyen
Story: Myrtana ist eine Welt voller Magie. Alles wäre wunderbar, hätten die Orks nicht einen brutalen Krieg gegen die Menschen gewonnen und jene in der Folge versklavt. Während wir uns in den beiden Vorgängern des Spiels noch in ebendiesem Krieg befanden, stellt der dritte Teil die Folgejahre dar – unser Protagonist hat die Aufgabe, die Menschen aus der Tyrannei der Orks zu führen und den seit dem Krieg verschollenen König zu finden. Durch die absolute Handlungs- und Barrierefreiheit des Spiels ist es jedoch auch möglich, sich auf die Seite der Orks zu schlagen und den ohnehin schon gepeinigten Menschen das Leben noch schwerer zu machen.
Handling: An dieser Stelle zuerst einmal ein Lob an die Entwickler für den Quantensprung in Sachen Bedienbarkeit. Mit Schrecken erinnern wir uns an die hackelige Steuerung der beiden Vorgänger. Jetzt kann der Held Inventar- wie Charakterverwaltung komfortabel bedienen – den genreüblichen Drag&Drop-Aktionen sei Dank. Puristen können alternativ auch auf die alte Steuerung umschalten. Gesteuert wird nach wie vor mit Maus und Tastatur, außerdem kann zwischen zoombarer Thirdperson- oder Firstperson-Kamera gewählt werden.
Was bleibt: “Gothic 3” entpuppt sich als starke Konkurrenz zu “The Elder Scrolls: Oblivion”. Umfang und Detailverliebtheit der Spielwelt sind einmalig und suchen ihresgleichen. Das Weglassen von festen Charakterklassen und voneinander abhängigen Quests erlaubt eine fast nie da gewesene Handlungsfreiheit. Die Ausmaße von Myrtana sind so enorm, dass man angeblich zum Lösen aller Nebenquests mehrere 100 Stunden dort verbringen kann. Jedoch wurde auch im Falle von “Gothic 3” der mittlerweile fast schon übliche Fehler begangen, das Spiel zu früh zu veröffentlichen. In der ersten Version sind zahlreiche Bugs in Bezug auf Performance und Handling zu bemerken, die allerdings mit einem Patch zu beheben sein sollen. Das anstehende Release von “Neverwinter Nights 2” hat die Entwickler wohl zur frühen Veröffentlichung des Titels bewegt, um die wartende Fangemeinde auf ihre Seite zu ziehen. Erwähnenswert ist auch, dass die Engine den Einsatz von PhysiX-Beschleunigern (vgl. Intro #140) unterstützt und die schon überwältigende Grafik so noch ein Stückchen besser aussieht. “Gothic 3” ist einer der ersten Titel, der diese Zusatzkarten unterstützt. Der einzige Wermutstropfen ist die hohe Anforderung an den Rechenknecht. Die empfohlene Konfiguration verlangt einen 3-GHz-Rechner und eine DirectX-9.0c-kompatible Grafikkarte. Nun ja: Bald ist ja Weihnachten.
Glanzlicht: Ganz klar: Grafik und Sound. Eine detailliertere Umwelt hat es bisher noch nicht gegeben. Wälder, Flüsse, Seen, Berge, Wüste. “Gothic 3” entpuppt sich so als abendlicher Kurzurlaub. Untermalt von einer realistischen Soundkulisse mit sehr gut ortbaren Geräuschquellen, zittern einem die Knie, wenn man unerwartet von einem grunzenden, untoten Ork attackiert wird. Da wird sich “Neverwinter Nights 2” warm anziehen müssen.
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