Doom – Das Brettspiel

Heidelberger Spieleverlag

[ca. EUR 47,95]

23.10.2006, 06:00, Text: Jasper Nicolaisen

Story: Ein Trupp Marines versucht aus einer Raumstation zu fliehen. Die Raumstation ist voller Aliens. Die Aliens wollen die Marines umbringen. Die Marines lassen sich das nicht gefallen. Das Prinzip der legendären Shooter-Reihe ist altbekannt, und auch diese Brettspielumsetzung gibt es schon eine ganze Weile, ohne dass sie bisher die gebührende Anerkennung gefunden hätte. Das soll hier und jetzt endlich geschehen.

Handling
: Zwei oder drei Spieler übernehmen jeweils einen Marine. Ein weiterer ist für die Aliens zuständig, die sich auf dem Spielplan rumtreiben; gegen ihn arbeiten die Marinespieler auf dem Weg zum Ausgang zusammen. Der Alienspieler baut gemäß dem Missionsplan neue Räume auf, wenn die Marines vorrücken, und versucht sie mit den darin hausenden Kreaturen umzubringen. Wer schon mal “HeroQuest” / “StarQuest” gespielt hat, kennt das Prinzip. Unterwegs gibt’s für die Marines neben dem Monstergesocks neue Wummen, Munition, Medipacks und Rüstungsteile zu finden. Das Spiel enthält fünf umfangreiche, aufeinander aufbauende Missionen, wobei für Abwechslung gesorgt ist: Nicht nur müssen wie im Computerspiel immer mal Passwörter oder Schlüsselkarten aufgestöbert werden, auch tödliche Zeitbegrenzungen oder Teleporter-Labyrinthe kommen zum Einsatz.


Was bleibt: “Doom” kombiniert bravourös drei Elemente zu einem suchterzeugenden Spiel: Entdeckerfreude beim schrittweisen Erkunden des Spielplans, taktisches Denken beim Einsatz der kostbaren Kampfressourcen und kindliche Freude am Hantieren mit einem Sack voll fetter Plastikmonster. Der Alienspieler darf viertens noch in der eigenen Niedertracht schwelgen. Die Kampf- und Bewegungsregeln sind einfach genug, um nach wenigen Spielzügen verstanden zu werden, greifen aber so durchdacht ineinander, dass echte Planung möglich wird und keine Partie der anderen gleicht, auch wenn dieselbe Mission mehrmals in Angriff genommen werden muss. Auf wiederholte Anläufe sollte man sich in der Tat einstellen, denn “Doom” ist schwer. Sauschwer. Der Alienspieler hat alle Trümpfe in der Hand hat, und die Marines überleben nur mit lückenloser Planung und ein bisschen Glück. Die Website des Herstellers bietet Ratschläge zum kontrollierten Absenken des Schwierigkeitsgrades, auf die man auch zurückgreifen sollte, bevor der Frust zu groß wird. Dem flotten Gelegenheitsspiel steht außerdem entgegen, dass das umfangreiche Spielmaterial auch gehandlet sein will; für all die schicken Bodenpläne, Figuren, Chips, Karten, Würfel und Missionspläne braucht man Platz und Organisationstalent. Beides, Anspruch und Umfang, erhöht die durchschnittliche Spieldauer auf locker drei, wenn nicht sogar vier oder fünf Stunden. Der lange Winterabend in der Raumstation rockt dann allerdings gewaltig.

Glanzlicht: Die Schadenfreude des Alienspielers, wenn die Marines ohne Muni in die Klauen des gehörnten Oberbosses stolpern. Das Triumphgefühl der Marinespieler, wenn sie den gehörnten Oberboss auch mit den bloßen Händen erledigen.

Genre: Brettspiel



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aus Intro #144 (November 2006)
 
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