
Just Cause
Eidos
23.10.2006, 06:00, Text:
Gerd Rosenacker
Story: Herrliche Sandstrände, verschlafene Dörfchen, duftende Zypressenhaine: Gäbe es da nicht jenes kleine Problem, das Bananenstaaten zu Bananenstaaten macht, wäre San Esperito ein Traum von einem Urlaubsort. Weil die Blutbäder der Drogenkartelle, die kolumbianischen Krawatten der Guerilla und die drakonischen Sanktionen des korrupten Regimes aber einen schlechten Eindruck machen, stagniert der Tourismus. Kurz: Es ist Zeit, für Ordnung zu sorgen. Und weil das schließlich niemand besser kann als der amerikanische Sicherheitsdienst, schickt die CIA ihren besten Agenten. Als Rico Rodriguez, Ein-Mann-Armee und Titelaspirant beim Antonio-Banderas-Lookalike-Wettbewerb, gilt es nun mit eisernem Besen zu kehren und den niederträchtigen Präsidenten Mendoza über den Jordan zu pusten. Auf dem Weg zum Regierungswechsel gerät man bald zwischen alle Fronten, und es ist – von der Panzerfaust bis zum Kampfhubschrauber – schweres Geschütz aufzufahren. Der Gegenentwurf zur sanften Revolution, könnte man also sagen.
Handling: Schon nach wenigen Augenblicken ist klar, woher der Wind weht. An allen Ecken und Enden grüßt die Konkurrenz: Thematisch angelehnt an “Total Overdose”, ästhetisch bedient bei “Far Cry”, den Hauptdarsteller von “Desperado” entführt und das Handling vom “GTA”-Sequel geborgt: Third-Person, frei wählbare Auftraggeber, Fahndungslevel, Carnapping, Nebenmissionen – sogar die Belegung des Pads ist ähnlich. Was aber nichts heißen will, solange es so wenig zu beanstanden gibt wie hier. Denn man fühlt sich wohl – egal, was man in den Händen oder unter dem Hintern hat. Sich an erfolgreichen Spielkonzepten zu orientieren birgt auch Vorteile: Gutes übernehmen, deren Fehler vermeiden. Trotz der sensationell groß geratenen Spielwelt (die Inselgruppe misst mehr als 1000 Quadratkilometer) gelangt man spielend von Ort zu Ort, man wird stets großzügig mit Waffen und Fahrzeugen versorgt, und innerhalb schwieriger Missionen sind faire Checkpoints gesetzt. Alles fein also.
Was bleibt: Anfangs wäre man geneigt, diesen Titel wegen der fehlenden Originalität und des schamlosen Ideendiebstahls doof zu finden. Weil man aber keinen Award verleihen muss, sondern Spaß haben will, sollte man mit diesem Spiel schnell Freundschaft schließen: Man wäre überrascht, wie schnell man angefixt ist. Sieht man von den platten Dialogen, der dämlichen Handlung und anderen Kleinigkeiten ab – nur wenige Häuser sind begehbar, das Verkehrsverhalten der Zivilisten ist skandalös, die Ladezeiten sind etwas lang –, findet man hier alles, was das Consolero-Herz begehrt: Gefechte mit Waffengattungen aller Art, Verfolgungsjagden mit Speedboat und Düsenjäger, eine gigantische Welt mit Yachten und Palmen, Missionen mit Abwechslung und ausgewogenem Schwierigkeitsgrad. Hinzu kommen die absolut amtliche Grafik und ein vorzüglicher Soundtrack mit einem Sack voller südamerikanischer Preziosen. Eine echte Alternative zu “GTA” und Konsorten, die es in allen Belangen mit der Konkurrenz aufnehmen kann.
Glanzlicht: Wo man bei anderen Titeln, weil sich kein adäquates Transportmittel blicken ließ, stundenlang mit dem Mofa durch die Pampa kurvte, dürfen hier mittels PDA entweder ein Fahrzeugabwurf oder der Evakuierungsservice geordert werden. Sehr praktisch, weil dem Spielfluss zuträglich und bei der Größe der Welt permanent vonnöten.
Genre: Action-Adventure
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