
Geheimakte Tunguska
Deep Silver / Kochmedia
[PC]
18.09.2006, 17:07, Text:
Oliver Zeyen,
Oliver Zeyen
Story: Tunguska – was im ersten Moment nach einem asiatischen Sportmotorrad klingt, entpuppt sich bei genauerer Recherche als kataklystisches Ereignis zu Beginn des letzten Jahrhunderts irgendwo in der sibirischen Steppe. Zu jener Zeit ereignete sich eine Explosion mit der gewaltigen Kraft von 2.000 Hiroshima-Bomben, die Bäume der umliegenden Wälder wie Streichhölzer umknickte und anliegende Ortschaften in Schutt und Asche legte. Für Verschwörungstheoretiker der Besuch von Außerirdischen – ein prima Grundstein für ein knackiges Adventure. Wir schlüpfen in die Rolle von Nina Kalenkow, die ihren verschwundenen Vater, Wissenschaftler und ehemaliger Teilnehmer einer Tunguska-Expedition, sucht, gemeinsam mit Max, ebenfalls Wissenschaftler. Eine Aufgabe, die über den gesamten Erdball führt.
Handling: Da das Optimum in Bezug auf Point&Click-Interfaces schon vor Jahren durch LucasArts in Form der “Scumm”-Engine etabliert wurde, haben die Entwickler gut daran getan, sich an ebendiesem Vorbild zu orientieren. Neben einer klassischen Inventory-Leiste am unteren Bildschirmrand begnügt sich das Interaktions-Interface mit gerade einmal zwei Aktionen: schauen und benutzen. Als Besonderheit wird die Space-Taste mit der “Snoop”-Funktion belegt. Durch Drücken auf selbige werden sämtlich Interaktionspunkte im aktuellen Raum erkennbar. Dieses Feature ist besonders hilfreich, wenn man nach erstmaligem Erkunden eines Raums auf der Suche nach des Rätsels Lösung schnell vorwärts kommen möchte.
Was bleibt: Nach langer Zeit hat es ein Entwicklerteam geschafft, ein Adventure zu kreieren, das mit scheinbar tot geglaubten Stilmitteln einen derart packenden Reiz ausübt, den man sonst nur aus dem Hause LucasArts gewohnt war. Wortwitz und knackige Rätsel, die (meist) rein logisch zu lösen sind, halten den Spielablauf durchweg flüssig und machen nach kurzen Verschnaufpausen unbedingt Lust auf mehr. Die atmosphärischen Hintergründe der über 100 Orte sind sehr detailverliebt realisiert und bilden in Verbindung mit der durchweg gelungenen akustischen Untermalung eine packende Story. Besonders das Casting der Synchronstimmen ist sehr gelungen und gibt dem Spiel das Flair eines interaktiven Spielfilms. Guybrush-Threepwood’scher Wortwitz fehlt ebenso wenig wie das Einbringen von Insider-Witzen, die mir schon so manche Nacht auf der Affeninsel versüßt haben.
Glanzlicht: Besonders gut hat mir der Cast der Synchronstimmen gefallen: Die professionellen Sprecher geben der Story noch zusätzlich einen filmischen Touch und verdichten die Story. Auch längere Dialoge wirken so nicht ermüdend und runden den ohnehin sehr guten Eindruck zusätzlich ab. Sabine Bohlmann und Norbert Gastell, den meisten wohl eher bekannt als die deutschen Synchronstimmen von Lisa und Homer Simpson, leihen ihre Stimmen, Lisas Stimme sogar einer Lisa im Spiel (!). Jene ist dann zwar nicht gelb, sondern ein kleines Mädchen mit kaputtem Fahrrad, witzig und lobenswert ist dieser Meta-Humor aber dennoch.
Genre: Point&Click-Adventure
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