
Reservoir Dogs
Eidos
18.09.2006, 17:04, Text:
Gerd Rosenacker,
Gerd Rosenacker
Story: Eine Gruppe mehr oder minder talentierter Bankräuber plant den perfekten Juwelenraub. Die Durchführung hingegen erweist sich, weil sich ein Undercover-Cop eingeschlichen hat, als gar nicht perfekt und endet in einem Blutbad. Man flieht zurück ins Hauptquartier – wo dann im finalen Showdown Geiseln erschossen, Spitzel enttarnt und Ohren abgeschnitten werden. So weit der Film. Das Spiel hingegen beschäftigt sich ausschließlich mit Dingen, die der Film nur andeutet: was zwischen Überfall und Hauptquartier geschah, wie sich die einzelnen Protagonisten zum Treffpunkt durchschlugen, wo Mr. Pink die Diamanten versteckt hat oder wie Mr. Orange zu seiner dämlichen Cola gekommen ist. Mit Dingen also, die man schon immer wissen wollte.
Handling: Man entscheidet selbst, in welchem Genre man sich befindet. In der unkomplizierten Variante versteht man dieses Spiel als linearen Shooter mit üppigem Waffenarsenal, Zielerfassung und Deckungsmodus. Führt schnell zum Ziel und macht wegen der vorbildlichen Steuerung auch Spaß. Wer jedoch am Ende des Levels nicht als Psychopath klassifiziert werden will, sollte weniger blutrünstig vorgehen und die anderen Talente der Charaktere nutzen. Als sehr nützlich erweist sich hierbei die Fähigkeit, Gegner und Passanten einzuschüchtern: Nimmt man sich beispielsweise eine Geisel, steht die Polizei stramm und lässt sich dorthin dirigieren, wo man sie haben will. Wer es geschickt anstellt (gelegentlich hilft es, der bedauernswerten Person im Schwitzkasten ein paar Mal auf die Nuss zu klopfen), gelangt zum Treffpunkt, ohne einen einzigen Schuss abgegeben zu haben. Und für die besonders hartnäckigen Gegner bleibt immer noch das martialische “Bullet Festival”, bei dem in Zeitlupe – mit viel Blut und Geschrei – das ganze Magazin entleert wird. Muss man mögen.
Was bleibt: Nicht selten hinterlassen die spielbaren Pendants erfolgreicher Kinofilme den faden Geschmack von lieblos zusammengeschustertem Merchandising-Krempel. Bei der Umsetzung dieses Klassikers von Meister Tarantino liegen die Dinge ausnahmsweise anders: einerseits, weil man 14 Jahre nach dem Leinwanddebüt kaum noch von Cross-Marketing sprechen kann, und andererseits, weil sich Plot und Erzählweise tatsächlich anbieten. Man hat sich Mühe gegeben: originelles Spielkonzept, originaler Soundtrack, originale Synchronsprecher (Michael Madsen beispielsweise), hervorragende Steuerung, saubere Grafik, unterhaltsame Dialoge und böser Humor – ein amtlicher Titel, wenn man von dem bemerkenswert hohen Grad an Brutalität absieht. Was man in Australien übrigens nicht tut: Dort wurde das Spiel wegen der “widerlichen Glorifizierung von Gewalt gegenüber der Polizei” und der “eindeutig niederträchtigen Botschaft” verboten. Kurz: Nichts für Leute, die kein Blut sehen können.
Glanzlichter: Gibt es mehrere: den liebevollen und detailreichen Nachbau der Schauplätze, die Verfolgungsjagden im Fluchtwagen oder der Umstand, dass jeder der Protagonisten (Mr. Pink, Mr. Blue, Mr. Brown, Mr. Orange, Mr. White und Nice-Guy Eddie) spielbar ist. Der eigentliche Star ist aber die Steuerung – besser als hier liegt das Pad nur selten in der Hand.
Genre: Action-Adventure
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