Forbidden Sirens 2

PS 2

21.08.2006, 06:00, Text: Gerd Rosenacker, Gerd Rosenacker

Story: Warum Last-Minute-Schnäppchen im Internet mit Vorsicht zu begegnen ist? Diese lustig zusammengewürfelte Reisegruppe – darunter ein ehrgeiziger Reporter, ein Flüchtling, eine Wahrsagerin, ein Major der japanischen Armee, ein blinder Schriftsteller samt Hund – sagt Ihnen, warum. Sie kentert vor der Küste Japans und muss sich auf die Insel Yamijima retten. Dort angekommen, läuten schon die Sirenen, das Meer färbt sich garstig rot – ein äußerst unwirtlicher Ort mit skandalöser Infrastruktur, miserablen Lichtverhältnissen und grunzenden Gastgebern. Der Legende nach sei die Insel vor genau 29 Jahren, nach einem unerklärlichen Stromausfall um Punkt Mitternacht, verlassen worden, und die Bewohner hätten sich buchstäblich in Luft aufgelöst. Einige jedenfalls scheinen geblieben zu sein – nun gilt es herauszufinden, warum ihre Laune so schlecht ist.


Handling: Je nach Mission steuert der Spieler einen der 16 verschiedenen Charaktere, die unterschiedliche Fähigkeiten haben. Die Wahrsagerin glänzt mit parapsychologischen Talenten, der Major hingegen mit rustikaler Entschlossenheit. Da die Zivilisten deutlich in der Überzahl sind, ist der Aktionsradius begrenzt, das Waffenarsenal karg und die Munition knapp: Meist ist man schon glücklich, wenn man dem untoten Feind eine Eisenstange überbraten darf. Um dann festzustellen, dass der eben Niedergestreckte flugs wieder auf den fauligen Beinen steht. Deswegen: Konfrontationen vermeiden. Den Großteil der Zeit verbringt man so gebückt, suchend und schleichend. Wenn man vom niedrigen Tempo und der umständlichen Menüführung, wo man für das Nachladen von Schusswaffen in nervtötende Zwischenmenüs muss, absieht, gibt es hierbei kaum etwas zu beanstanden.

Was bleibt:
Obwohl es gelungen ist, einige Fehler des ersten Teils auszumerzen, will auch die Fortsetzung nicht wirklich überzeugen. Schuld daran ist primär das unerbittlich lineare Leveldesign, das im krassen Kontrast zur nonlinearen Dramaturgie dieses Spiels steht: Es gibt immer nur einen Lösungsweg, ein Großteil des Areals bleibt unbegehbar, und die vielen hübschen Details, mit denen man nur selten interagieren darf, sind sinnlos. Die Story aber ist – mit ungewöhnlich kryptischen Dialogen, fragmentarischer Story und doppelbödigen Zeitsprüngen – exzellent: so, dass man ausnahmsweise wirklich mal wissen will, wie die Geschichte nun ausgeht. Ähnliches gilt auch für die Ästhetik, die sich vor keinem der Konkurrenten, weder “Resident Evil” noch “Silent Hill”, verstecken muss. Addiert man aber die schläfrige Motorik der Charaktere zur Sturheit der Levels, darf, wie schon beim ersten Teil dieses eigentlich sehr ambitionierten Sequels, höchstens Mittelmaß resümiert werden.

Glanzlicht
: Einige Charaktere sind in der Lage, mit den Augen ihrer Feinde zu sehen. Pfiffige Idee, und macht meist – insbesondere beim Blinden – echt Sinn. Außerdem gilt festzuhalten, dass sich hier Menschen, die sich gerne vor Angst in die Hosen pullern, pudelwohl fühlen werden: Psychoterror nach allen Regeln der Kunst.


Forbidden Sirens 2
SCES
PS2
Genre: Horror Adventure



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