
Titan Quest
PC
21.08.2006, 06:00, Text:
Bernhard Przybilla
Story: Seitdem die Götter die Titanen vor Urzeiten besiegen und verbannen konnten, ist die antike Welt ein feiner Ort. Die Menschen siedeln fröhlich vor sich hin, und die Götter lassen es sich im Olymp bei Met und Ambrosia gut gehen. Nur der alte Schwerenöter Zeus verhält sich auf eine Weise, die ihm heute allwöchentlich Klagen wegen sexueller Belästigung einbringen würde. Das kann natürlich nicht gut gehen: Als die Titanen aus ihren Gefängnisse fliehen, muss ein Held her, um die Ordnung wiederherzustellen.
Handling: “Der Linksklick – ihre beste Waffe”, verspricht das Handbuch und hat damit vollkommen Recht. Das Game-Interface ist derart einfach gehalten, dass auch Neulinge nur ein paar Minuten brauchen, um sich einzuspielen. Allein bei der Inventarverwaltung lässt der Service ein wenig zu wünschen übrig. Schließlich gibt’s nach jedem Gemetzel eine Menge Gegenstände einzusammeln, und die werden nicht besonders clever in jenem Inventar abgelegt. Dann ist nerviges Sortieren angesagt, wenn der knappe Platz optimal ausgenutzt werden soll. Abzüge gibt es auch dafür, dass nur die Bildschirmtexte übersetzt und keine deutschen Sprecher engagiert wurden.
Was bleibt: Mit jedem Hack’n’Slay-Rollenspiel, das nach der Veröffentlichung von “Diablo II” erscheint – und die liegt mittlerweile sieben lange Jahre zurück –, drängt sich eine Frage immer mehr auf: Ist das Genre vielleicht schon seit langem am Ende angekommen? War’s das, und kommen jetzt nur noch mehr oder minder gut geratene Varianten des Klassikers auf den Markt? “Titan Quest” könnte ein guter Beleg für diese These sein, gerade weil es ein verdammt gutes Spiel ist. Es ist groß, bietet Gemetzel und Ausrüstungsgegenstände en masse. In puncto Grafik und Sound wird der Branchen-Methusalem natürlich locker in die Tasche gesteckt. Dazu hat man sich bei der Charakterentwicklung ein paar smarte Ideen einfallen lassen, die es erlauben, den Helden recht frei zu gestalten. So ist auch langfristig für Spielspaß gesorgt. Der Reiz, das Game mit einem anders angelegten Helden erneut durchzuzocken, sollte nicht unterschätzt werden. Da hat man im Hause Iron Lore viel richtig gemacht. Alle Wünsche werden aber leider nicht erfüllt. Hinter jeder Ecke lauert nämlich nicht nur ein neues Monster, sondern auch – “Diablo”. Die allermeisten Versatzstücke sind einfach schon zu bekannt, um für Aufsehen zu sorgen. Für die nächste Genre-Revolution, auf die seit Jahren gewartet wird, sorgt “Titan Quest” leider nicht. Wer damit gut leben kann und einfach ein wenig Abwechslung will, wird bestens bedient.
Glanzlicht: Optisch ist “TQ” ein Augenschmaus, und das nicht wegen spektakulärer Effekte, sondern vieler kleiner Details. Läuft man durch Kornfelder, schwanken die vom Helden weggedrückten Ähren. In Kämpfen fliegen erschlagene Monster je nach Dynamik meterweit. Da wurde viel Wert auf eine möglichst realistische Fantasy-Welt gelegt.
Titan Quest
Iron Lore / THQ
PC
Genre: Rollenspiel
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