
Sommerspiele
Mit den Handhelds in die Ferne
17.07.2006, 08:00, Text:
Gregor Wildermann,
Gregor Wildermann
Wissen wir noch, was wir diesen Sommer getan haben? Der Teamgeist war zu Gast bei Freunden, und wir überlegten, ab wann ein Braunbär (R.I.P.) zum Problem wird. Wir waren natürlich auch neidisch auf Fidel Castro, weil er zu seinem 80. Geburtstag von seinem bolivianischen Kollegen Evo Morales einen Kokakuchen bekam. Und was muss das für ein Sommer sein, wenn Aphex Twin aus seinem Panzer krabbelt und Ottfried Fischer sich verliebt? Egal, wir lassen uns die Sonne auf den etwas kleineren Bauch scheinen, wollten aber dann doch wissen, ob man für die kleine Mahlzeit zwischendurch auch noch im Sommer den Videospielen eine Chance geben kann. Die großen Brüder bleiben zu Hause, und irgendwo zwischen Around-the-World-Ticket und Dixi-Klo-Warteschlange wird man mobil doch mal die Welt retten können ...
Noch bevor der Koffer gepackt ist, steht eine Frage berechtigt im Raum: Soll man Sonys PSP oder Nintendos DS neben dem obligatorischen Handy mit auf Reisen nehmen? Beide Modelle sind passend zum Sommer in blütenweißer Version zu haben, wobei der DS in seiner neuen Lite-Version gleich mal ein komplettes Re-Design erlebt hat. Für 129 Euro ist der schicke Handheld mit deutlichen iPod-Vorfahren nun rund ein Drittel kleiner und 20 Prozent leichter als sein Vorgänger. Und sein Display ist jetzt in vier Helligkeitsstufen regulierbar, was ihm besonders bei direkter Sonneneinstrahlung zum eindeutigen Vorteil gereicht. Inmitten eines Rucksacks oder wild zusammengeworfenem Gepäck ist auch sein Klappdesign wesentlich sinnvoller. Für die PSP empfiehlt sich im “Außeneinsatz” ein nachträglich gekauftes Hard-Case, das im aufgeklappten Zustand auch als Sonnenblende funktionieren kann.
Wer die Hardwarefrage geklärt hat, schwenkt automatisch auf die Fütterung mit Spielen um. Vorher sollte man sich aber noch Gedanken darüber machen, ob immer nur Daddelkram in die Handhelds gehört. Passend zu diesem Ansatz bringt Sony nämlich zur Sommersaison den “TalkMan” heraus, eine neue Sprachsoftware für die PSP. Über das mitgelieferte Mikrofon, das auf der Oberseite der PSP aufgeschraubt wird, übt man in Englisch, Französisch, Spanisch, Japanisch oder Italienisch bis zu 3000 gesprochene Sätze, bei denen man aus 28 verschiedenen Szenarios wählen kann. Über deren Wirklichkeitsgehalt darf man sich natürlich streiten, und ein noch größeres Rätsel bleibt auch, warum diese Sprachhilfe in eine extrem kindische Präsentation verpackt wurde. Als Moderator tritt ein Vogelwesen namens Max auf, das ähnlich wie Sonnenbrand an den eigenen Nerven zerrt. Eine umständliche Menüführung und gähnend lange Ladezeiten machen diesen “Sprechmann” nicht besser. Sehr praktisch sind allerdings die Umrechnungsfunktionen, der Wecker sowie das Audio-Album, in dem man 50 Sprachbotschaften aufnehmen kann. Leider erst im September bringt Sony in Kooperation mit “Lonely Planet” den PSP-Titel “Passport To ...”, einen Guide für sechs europäische Städte.
Auch Nintendo bewegt sich mittlerweile gerne in spielfremden Regionen, und “Dr. Kawashima’s Brain Training” (siehe auch Einzelreview in diesem Heft) nutzt geschickt das Touchpad sowie das eingebaute Mikrofon des DS. Die Qualitäten des DS-Systems zeigen sich besonders bei den Spielen, die einem scheinbar bestens vertraut sind. So schafft es “Tetris DS” tatsächlich, den nun mehr als 20 Jahre alten Steinstapler in neuem Licht erscheinen zu lassen. Vor allem der Touch-Mode macht süchtig, und es ist wirklich verblüffend, dass durch die direkte eigene Bewegung der Steine das komplette Gameplay wesentlich haptischer wirkt. Respekt geht auch an die Soundabteilung, die diverse 8-Bit-Klassiker einbaute, diese jedoch in Tempo und Struktur noch mal den heutigen Standards anpasste.
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