
Der Pate
Electronic Arts
27.03.2006, 16:17, Text:
Gregor Wildermann,
Gregor Wildermann
Xbox360, Xbox, PS2, GameCube, PSP
Genre: Action-Adventure
Story: Es beginnt mit einem Mord. Ein kleiner Junge muss ansehen, wie sein Vater brutal umgebracht wird. Jahre später taucht eben dieser Junge in die Kreise derer ein, die damals den Tod des Vaters einbrachten. Vier Mafia-Familien konkurrieren mittlerweile um das New York aus der Mitte der 50er-Jahre: Die Corleones kontrollieren Little Italy, die Tattaglias beherrschen Brooklyn, die Straccis New Jersey, die Cuneos sind in Hell's Kitchen und die Barzinis in Midtown. Entwickler Electronic Arts hat für \"Der Pate\" die Filmwelt in ihren Kernpunkten digital sehr beeindruckend wieder belebt.
Handling: Aus dem Spiel der \"Tiger Woods\"-Serie übernahm EA den so genannten \"Mobface-Editor\", über den man am Anfang des Mafiaepos' einen detaillierten eigenen Charakter erstellen kann, der dann im Spiel und allen Cutscenes auftaucht. Die körperlichen Auseinandersetzungen werden wie in einem Boxspiel mit den Analogsticks ausgetragen. In \"Toms Bericht\" lässt sich genauer nachlesen, was abseits einer üblichen Schlägerei an Straftaten sonst alles möglich ist: von Erpressungen, übernommenen Lagerhäusern und Drehscheiben bis hin zu Mordaufträgen oder \"Pick-ups\", schnellen Einzeljobs wie dem Knacken eines Safes. In den ersten beiden Spielstunden erlernt man dazu die verschiedenen Handlungsmöglichkeiten des jungen Mafia-Azubis. Das artet stellenweise in richtige Schwerstarbeit am Controller aus.
Was bleibt: Fluch und Segen jeder großen Spielwelt ist das krasse Missverhältnis zwischen Spannungskurve und Komplexität. Damit die Spielmöglichkeiten voll ausgenutzt werden, dauert es entsprechend lange, bis alle Spieloptionen überhaupt auffallen oder erklärt sind. Für Computerspiele eher ungewöhnliche Disziplinen wie Bestechung oder Erpressung sollen dazu auch noch im gleichen Maße unterhaltsam sein wie Verfolgungsjagden oder wilder Schusswechsel. EA ist es tatsächlich gelungen, einen guten Mittelweg aus Unterhaltung und Anspruch zu finden - vor allem bei der Animation der gut 60 Charaktere, inklusive Originaldarstellern wie James Caan. Auch die 150 Läden, die man ohne jede Ladezeit direkt begehen kann, liefern immer wieder ungewohnte Überraschungen. Trotzdem darf man gespannt sein, wie die Xbox360-Version aussehen wird, die leider erst einige Monate später erscheint.
Glanzlicht: Die von Marlon Brando dargestellte Filmfigur des Don Vito Corleone hat auch nach mehr als 34 Jahren immer noch eine große Ausstrahlungskraft, und die wird in der Atmosphäre des Spiels gut eingefangen. Die Sprachaufnahmen für das Spiel waren sogar die letzte offizielle Arbeit von Marlon Brando, der jedoch durch seine Krankheit so geschwächt war, dass diese Aufnahmen selbst in der englischen Fassung nicht verwendet werden konnten. Wer sich wirklich in die virtuelle Mafiawelt fallen lässt und bereit ist, viel Zeit zu investieren, wird es bestimmt nicht bereuen.
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