Scratches

Nucleosys

02.03.2006, 16:35, Text: Bernhard Przybilla, Bernhard Przybilla

PC

Genre: Mystery-Psycho-Adventure

Story: Um seinen zweiten Roman fertig zu stellen, zieht der Horror-Schriftsteller Michael Arthate nicht nur in die englische Provinz, sondern gleich in ein seit Jahren verlassenes viktorianisches Herrenhaus. Das beklemmende Ambiente des Gemäuers soll ihm helfen, seine Schreibblockade zu überwinden. Schon bald merkt der Schreiberling jedoch, dass er sich mit dem Haus mehr als nur ein neues Zuhause eingehandelt hat. Auch Arthate hört nun die Geräusche, die schon den letzten Besitzer in den Wahnsinn trieben.

Handling: Point&Click-Adventures zeichnen sich bekanntermaßen durch eine simple intuitive Steuerung aus, die auch völlig unerfahrene Spieler sofort beherrschen.

\"Scratches\" ist da keine Ausnahme, und nach wenigen Stunden kommen auch Intro-Redakteure damit klar [Anm. des Redakteurs: Du kannst dir deine Papiere abholen]. Mehr Probleme bereitet da schon der knackige Kopierschutz, der auf manchen Rechnern für Installationsprobleme sorgt. Ein klassisches Beispiel dafür, wie nur allzu verständliche Sicherheitsmaßnahmen die ehrlichen Benutzer treffen.

Was bleibt: Ein viktorianisches Herrenhaus, eine Familiengruft, ein dunkles Geheimnis - die Versatzstücke, aus denen die Nucleosys ihr Game-Debüt gemixt haben, sind altbekannt. Aber das geht in Ordnung, denn damit hat auch Hollywood schon so manchen Neo-Klassiker zusammengebraut. \"Klassisch\" sollte auch \"Scratches\" werden, und den selbst gesteckten Anspruch hat das südamerikanische Programmiererteam erfüllt. Angefangen bei der Story über die Steuerung bis hin zu den Rätseln - im ehemaligen Familiensitz der Blackwoods findet man sich sofort zurecht. Zudem wurde beim Spieldesign eine Klippe umschifft, die andere Adventures zu einem Graus macht: Trotz Point&Click-Steuerung muss der Bildschirm nicht nach winzigen Objekten abgesucht werden, ohne die es nicht weitergeht. Ganz im Gegenteil: Eher fragt man sich, wie man manche Gegenstände übersehen konnte. Nur an wenigen Stellen gibt es etwas zu mäkeln. Gelegentlich stockt der Fortlauf der Geschichte, die sich über ein Wochenende erstreckt. Und das nicht, weil der Spieler über kniffligen Rätseln brütet, sondern sich vielmehr mangels konkreten Problems fragt, wie es überhaupt weitergeht. Dafür gibt es Abzüge in der B-Note, und ein wenig länger hätte das Game auch sein können. Trotzdem: Wer schon Adventures wie das im Vergleich zu \"Sratches\" weniger gut gelungene \"Black Mirror\" mochte, wird gut bedient. Spieler, die dem Genre aber ohnehin nie etwas abgewinnen konnten, haben jetzt keinen Grund, ihre Meinung zu ändern.

Glanzlicht: Michael allein zu Haus, allein zu Haus im Geisterhaus. Bei dem Plot muss vor allem die Atmosphäre stimmen. Und die stimmt. Vermutlich gerade weil auf abgeschmackte Knalleffekte wie blutrünstige Monster, die hinter jeder dunklen Ecken lauern, verzichtet wurde. Sparsam eingesetzte Musik, ein Wolkenbruch vor den Fenstern und eine stimmige Einrichtung reichen völlig aus, um ein düsteres Landhaus-Flair zu inszenieren. Weniger kann auch mehr sein.



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