
Tatsächlich Trinkspiele
Alkoholen
21.02.2006, 17:53, Text:
linus volkmann,
linus volkmann
Immer diese Obsession in Popkulturmagazinen, dass der Begriff \"Games\" einzig verknüpft sein soll mit Konsolen oder Computern. Eine Frage des Zeitgeistes natürlich. Dabei waren zum Beispiel die einzigen Ego-Shooter, die wir Älteren früher hatten, unsere Flaks. Damit bombten wir schön in den Himmel über Berlin, und der Rückstoß kostete uns nicht selten unsere kindliche Unversehrtheit. Wogegen heutzutage speckige Knäuel Jugendlicher einfach Weltkrieg-Shooter (wie \"Medal Of Honour\" oder \"Call Of Duty\") auf dem Sofa zocken, als wäre das alles bloß \"Donkey Kong\". Aber jede Generation holt sich ihre Wunden schon noch ab, statt Sold bekommen die Kids heute ja auch nur noch ALG II.
Seinen Ursprung hat das zuerst vorgestellte Trinkspiel in dem Fanzine Komm Küssen. Dort fand diese Rubrik dereinst bereits himmlische Resonanz. Im Rückblick hat sich die Wahrnehmung auf jenes Magazin sogar so weit verengt, dass ehemalige Beteiligte angesprochen werden mit: \"Ey, du hast doch mal dieses Saufheft gemacht!\" Um die eBay-Gebühren fürs Ersteigern jener längst vergriffenen Relikte nicht noch weiter anschwellen zu lassen, hier an dieser gegebenen Stelle ein kleiner Rückblick. Immer noch topaktuell, versteht sich:
King Of Vollrausch
Mitgebracht hat diesen bedenklichen wie königlichen Zeitvertreib seinerzeit der Journalist Christoph Koch von seinen Reisen durch die USA. Er besuchte dort angeblich ein College, offensichtlich aber eher Verbindungspartys in halboffenen Togas.
Also, jeder bekommt ein Wasserglas Schnaps oder Likör (oder Bier, falls kleinere Kinder mitspielen) in die Hand. Dann wird eine Folge \"King Of Queens\" eingeschaltet. Nun gilt es aufzupassen. Wer bemerkt, dass etwas aus dem folgenden Katalog auf dem Bildschirm passiert, erhebt die Stimme. Er muss nun nicht trinken, die anderen aber sehr wohl, und zwar in der der entdeckten Handlung zugewiesenen Menge.
Getrunken wird also, wenn Folgendes geschieht:
- Doug isst etwas [ein Schluck] und bekleckert sich dabei [zwei Schluck].
- Doug und Arthur konkurrieren am Küchentisch um Mahlzeiten [1].
- Arthur ruft etwas aus dem Keller, ohne dass man ihn sieht [1].
- Arthur erzählt von einer Erfindung, einer Bekanntschaft oder einem Job aus seiner bewegten und halluzinierten Vergangenheit [1].
- Es kommt das Thema auf Deacons und Kellys erfülltes Sexualleben [1].
- Es kommt das Thema auf Dougs und Carries nicht so erfülltes Sexualleben [2].
- Das Gespräch kommt darauf, dass Deacons Kleinkind-Sohn Kirby vermutlich homosexuell werden wird [1].
- Spence sagt etwas Kluges und wird dafür gedisst [2].
- Irgendeiner der Darsteller sieht fern [1] (vielleicht sogar Sport [2]) oder trinkt Alkohol [3].
- Doug trifft sich mit Carrie oder seinen Freunden in der Garage [2].
- Carrie hasst ihren Job [1] und muss dort jemandem Muffins bringen [3].
- Dougs Vorgesetzter Supervisor O'Boyle tritt auf [1], es kommt das Thema auf dessen Alkoholismus [3].
- Die Hundewalkerin Holly lässt durchblicken, dass sie verkatert [1] oder pleite [2] ist oder einen neuen straffälligen Typen an der Angel hat [3].
- Cousin Danny macht beim Buhlen um Dougs Gunst eine unverhältnismäßige Bemerkung [1].
- Spence' Hund, der kleine Mops, tritt auf [4].
- Carrie lässt durchblicken, dass sie auf Deacon steht [4].
Ein weiteres Highlight für jede Privat-Party: Ab drei Uhr befinden sich dort zumeist nur noch angetrunkene Spätblüher - die benötigt man und einen Würfel. Zudem müssen alle stehen gelassenen Gläser und Flaschen, in denen noch was drin ist, eingesammelt werden. Reihum wird nun gewürfelt. Wer die niedrigste Zahl hat, muss sich einen der Reste aussuchen und trinken. Bis alles - auch die schlimmen Gläser - weg ist. Herpes- und Asche-Optionen sind dabei nur Anfeuerer des Kicks. Lediglich Barebacking ist asozialer. Viel Spaß beim Nachkochen. Aber nicht vergessen: Alkohol ist ein weltweit anerkanntes Nervengift, und streng genommen ist davon abzuraten.
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