Call To Power

PC

[Activision]

05.02.2001, 18:48, Text: Autor unbekannt

Die Macht ruft! Also weise ich als römischer Imperator Crassus Ossius meine Städte an, mal ein paar Katapulte zu bauen, damit ich den feindlichen Bogenschützen eins auf die Mütze geben kann. Aber die Amerikaner schlafen auch nicht und schicken mir gleich mal mit einem ihrer Transportschiffe ein Heer Kavalleristen mitsamt Kanonen hinter die Linien. Wo haben sie die denn bloß her? Ich habe wohl eindeutig die technischen Entwicklungen verschlafen, bessere Waffen herstellen zu können. Mir schwant, dass meine Drauflos-Taktik keine Früchte trägt. Wer bei “Call To Power” nicht die filigrane Balance aus Produktion, Entwicklung und Expansion in den Griff kriegt, gerät schnell ins Hintertreffen.

Ich beiße mir zornig auf die Lippen, als ich mit ansehen muss, wie auch die Schotten meine schlecht verteidigten Städte einnehmen. Wäre ich doch auf ihre diplomatischen Forderungen eingegangen, aber nein, ich musste ja unbedacht ihren Diplomaten lynchen. Hier soll kein falscher Eindruck entstehen: Dies ist kein Kriegsspiel, sondern die Simulation eines machtpolitischen Was-wäre-wenn-Szenarios. Es geht um langfristige Planungen in Politik, Strategie, Modernisierung und eben Kriegstaktik. Hilfreich dabei sind die erklärenden lexikalischen Verweise, die durch Markierungen hypertextuelle Sprünge zulassen. Ansonsten gibt das Handbuch anhand von Konzepten zu den Themen Handel, Taktik, Städteplanung etc. Hilfestellung. Wer allerdings vor der Fülle von Möglichkeiten und Einheiten zurückscheut und schnelle Action braucht, der hat bei “Call To Power” nichts zu suchen. Geduld ist oberste Tugend angesichts der Komplexität (oft auch Zähigkeit) des Spiels, bei dem man auf sich stets wandelnde Situationen reagieren muss. Grafisch ist das Spiel nicht der totale Brüller, auch die Intelligenz des Gegners erscheint oft zweifelhaft (oder warum fahren einzelne irische Kanonen im Kreis um meine Städte - Zermürbung?), aber ausreichend, um lang anhaltenden Spaß zu haben. Da vergisst man schnell mal das Mittagessen. Skurril wird es erst, wenn durch unterschiedliche Entwicklungen der streitenden Völker Panzer auf Katapulte oder Samurais auf MG-Schützen treffen, aber in der Antike haben wir Europäer ja auch der orientalischen Technik hinterhergehumpelt. Ich denke, ich sollte Osman I. jetzt langsam mal einen Friedensvertrag anbieten.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • VERWANDTE ARTIKEL

  •  
 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]

 

Platten in einem Satz

Platten in einem Satz

Neu bei Intro: Plattenkritiken in SMS-Länge! Die besten "Oneliner" gibt's hier.