Ed Wood DVD-Box

Plan 9 From Outer Space / Glen Or Glenda / Bride Of The Monster u. a.

31.01.2006, 13:01, Text: Martin Büsser, Martin Büsser
[5 Kommentare]

Al!ve

Als Ed Wood 1978 im Alter von nur 53 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes starb, hätte er sich wohl nicht träumen lassen, noch einmal eine solche Renaissance zu erleben. An Selbstbewusstsein hatte es ihm zwar nie gemangelt - \"Plan 9 From Outer Space\" bezeichnete er selbst als \"Meisterwerk\" -, doch die letzten Lebensjahre verbrachte Wood vereinsamt, sein künstlerischer Zenit - wenn man das denn so nennen mag - lag bereits zwanzig Jahre zurück. Seine Wiederentdeckung hat Ed Wood vor allem Tim Burtons biografischem Film \"Ed Wood\" (1994) mit Johnny Depp in der Hauptrolle zu verdanken. Burton gab die bis heute übliche Lesart vor: Ed Wood ist \"Kult\", weil seine Filme so schlecht waren.

In Internetforen tauschen sich Trash-Fans begeistert darüber aus, welche Fehler und welche stumpfsinnigen Dialoge sich in Ed Woods Filmen finden lassen, doch trotz seines künstlerischen Scheiterns war Ed Wood ein Idealist, der das Kino insgeheim revolutionierte. Dass er in den 1950er-Jahren immer wieder Sponsoren für Filme auftrieb, für die er seine Schauspieler bewusst nicht proben ließ - Wood schwor auf den Charme der Spontaneität -, ist bewundernswert und bereitete gewissermaßen den Weg für die Avantgardefilmer der 1960er-Jahre, etwa Andy Warhol und Paul Morrissey, die ebenfalls auf eingelernte Dialoge verzichteten. Doch Wood war leider kein avantgardistischer Rebell, sondern arbeitete mit Drehbüchern, die sich des kompletten Arsenals der B-Movies bedienten.

\"Bride Of The Monster\" (1955) handelt beispielsweise von einem durchgeknallten Wissenschaftler, der eine übermenschliche Rasse züchten will und zusammen mit einem Krokodil und einer Krake in einem Haus in den Sümpfen lebt. Eine gut aussehende Journalistin kommt ihm auf die Schliche, wird von dem Wissenschaftler gefangen genommen und schließlich von dessen Assistenten befreit - die Liebe hat wieder einmal über das Böse gesiegt. Nicht anders verhält es sich mit dem Bonus-Material auf der DVD-Box: Insgesamt sind sieben Filme enthalten, darunter \"Jail Bait\" (1954) und \"Night Of The Gouls\" (1959), doch der hier ebenfalls enthaltene \"Glen Or Glenda\" (1953) unterscheidet sich deutlich vom üblichen Horror- und Science-Fiction-Mix.

Ed Wood hat \"Glen Or Glenda\", den Film über den Leidensweg eines Mannes in Frauenkleidern, als seine persönlichste Arbeit bezeichnet, soll er doch selbst in Hollywood Frauenkleider getragen haben. Stilistisch ließe sich auch hier viel kritisieren, etwa Bela Lugosis völlig unmotivierte Auftritte, die fast nichts mit der Crossdressing-Handlung zu tun haben, und auch inhaltlich handelt es sich noch nicht um einen \"queeren\" Film (Wood grenzt Crossdresser im Film deutlich von Schwulen ab). Dass in den 1950ern überhaupt ein Film entstehen konnte, der um Toleranz für Männer in Frauenkleidern wirbt, ist dennoch eine kleine Sensation. Die DVD ist übrigens - wie alle in der Box - auch einzeln beziehbar.



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aus Intro #135 (Februar 2006)
 
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  • User: omo_palomo
  • omo_palomo 24.02.2006 | 11:35:27

    gab burton nicht viel mehr die lesart vor, dass ed wood von einer innigen liebe zum film und zum geschichten-erzählen motiviert wurde, wodurch er eben aus dem bloßen kult-durch-dilettantismus-bild befreit wurde? die "kult"-lesart existierte dagegen schon lange vor burtons hommage. in diese kerbe schlugen eher so sachen wie das amiga-spiel "plan 9 from outer space" o.ä.

  • User: omo_palomo
  • omo_palomo 24.02.2006 | 11:35:27

    gab burton nicht viel mehr die lesart vor, dass ed wood von einer innigen liebe zum film und zum geschichten-erzählen motiviert wurde, wodurch er eben aus dem bloßen kult-durch-dilettantismus-bild befreit wurde? die "kult"-lesart existierte dagegen schon lange vor burtons hommage. in diese kerbe schlugen eher so sachen wie das amiga-spiel "plan 9 from outer space" o.ä.

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