Total Overdose

Eidos

25.10.2005, 13:51, Text: Gerd Rosenacker, Gerd Rosenacker

PS2

Genre: Action-Adventure

Story: Tequila, Burritos, Drogenkartelle, Verrat und Rache. Zu rächen ist in diesem Fall der Tod des angeblich an einer Überdosis gestorbenen Vaters, eines Agenten der mexikanischen Antidrogeneinheit DEA, der in Wahrheit von den eigenen Leuten verraten und ermordet wurde. Durch Zufall erfährt sein Sohn Tommi (ebenfalls Agent der DEA) von dem Komplott und schwört Rache. Weil der sich aber bei einer Explosion das Bein bricht, betritt jetzt sein etwas weniger kultivierter Zwillingsbruder - der Ex-Knasti Ramiro \"El Gringo Loco\" Cruz - die Szenerie und lässt in der Großstadt Los Toros, im Dschungel oder auf Hanfplantagen zentnerweise Köpfe rollen.

Ein ganz normales mexikanisches Familien-Epos also.

Handling: Schon nach wenigen Sekunden dürfte klar sein, woher der Wind weht. Das Konzept dieses Spiels ist nicht entlehnt, sondern schlichtweg kopiert. Die \"GTA\"-Serie grüßt an wirklich jedem Winkel: die Third-Person-Perspektive bei Ramiro Cruz, die Steuerung der Fahrzeuge, der Radar am linken unteren Bildrand, das Carnapping, die Waffenanwahl, die Sondermissionen (wie die Stunt- und Minispielmodi), die Kameraführung. Dass dies dann kaum Angriffsfläche bietet, wundert also nicht. Gerade, wenn man erst vor wenigen Monaten \"GTA: San Andreas\" durchgespielt hat. Einzig knifflig sind die Handhabung der Angriffscombos (wie die Überkopfmanöver in Zeitlupe oder das Entlanglaufen an Wänden) oder die Real-Time-Rewind-Features, die man zwar auch von Konkurrenztiteln (wie \"Max Payne\", \"Enter The Matrix\" oder \"Prince Of Persia\") entliehen hat, aber schon schick aussehen und auch Spaß machen.

Was bleibt: Punktabzüge gibt es nicht nur wegen der Armut an eigenen Ideen, sondern auch wegen einiger anderer erwähnenswerter Mängel. Geübte Spieler beispielsweise dürften den Storymodus an einem Wochenende durchgespielt haben, denn keine der Missionen ist sonderlich anspruchsvoll, und die gegnerische KI ist beinahe mitleiderregend. Hinzu kommt, dass die zu erforschende Welt weder in puncto Umfang noch Detailliebe mit dem Vorbild \"GTA\" - ein Vergleich, den man sich in diesem Fall gefallen lassen muss - mithalten kann: weniger Fahrzeuge, die Landkarte ist unbrauchbar, Missionen ähneln sich, und es gibt weder anwählbare Radiosender noch Friseur oder Klamottenladen. Längere Ladezeiten hingegen gibt es schon. Resümierend gilt es trotzdem festzuhalten, dass \"Total Overdose\" ein kurzweiliges Spiel geworden ist, für das man sich getrost - mit Freunden und viel Bier - ein Wochenende freihalten könnte.

Glanzlicht: Für diejenigen, die sich für das Gangsta-Rap-Ambiente von \"GTA: San Andreas\" nicht so recht erwärmen konnten und für südamerikanische Bestrafungszeremonien ein Faible haben, stellt \"Total Overdose\" schon eine Alternative dar. Zumal sich auch der Soundtrack (u. a. mit Control Machete, den Delinquent Habits oder Molotov) sehen lassen kann.



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