
Nintendogs
Welpen für alle!
28.09.2005, 15:11, Text:
Felix Scharlau,
Felix Scharlau
Auf dem Handheld-Markt ist die Hölle los. Während Sonys PSP erst jetzt über uns hereinbricht (siehe Artikel rechts), ist Nintendos Double Screen (DS) schon seit Monaten am Markt und entsprechend einen Schritt weiter: Das Gerät ist bei weiten Teilen der Nerds bereits angekommen, und erste großartige, auf die Eigenheiten der DS zugeschnittene Spiele-Titel haben bewiesen, was technisch und inhaltlich möglich ist. Jetzt fehlt nur noch der große Abräumer. Ein Spiel für die Ewigkeit, das nicht nur DS-Besitzer bei der Stange hält, sondern alle, die auch nur halbwegs an Games interessiert sind, so verrückt macht, dass der Kauf von Spiel und Handheld zur Pflicht wird.
Ursprünglich, so wird im Internet geraunt, sei die Welpensimulation \"Nintendogs\" für Nintendos GameCube geplant gewesen - eine jetzt seltsame Vorstellung, macht man sich die Grundprinzipien der Spielumsetzung jetzt für den DS bewusst: Gerade das interaktive Moment, beispielsweise die Möglichkeit, die kleinen Welpen per Stylus auf dem Touchscreen zu streicheln oder sie über das eingebaute Mikrofon bis zu 15 verschiedene Kommandos zu lehren, lässt die fast schon magische Einheit zwischen eben dieser Soft- und eben dieser Hardware erkennen. Die Tamagotchi-Welle der 1990er-Jahre wirkt dagegen wie eine Camera Obscura im Vergleich zum Video-Beamer: Die süßen kleinen Flohfänger von \"Nintendogs\" sind in jeder Hinsicht näher am nicht-virtuellen Haustier als alles, was es bisher gab. Schon bei der ersten Begegnung mit dem neuen Freund, wenn er mit seiner realistisch-tollpatschigen Anmut auf einen zu trottet, schießen jedem, der noch Gefühle hat, bereits die Tränen in die Augen. Man streichelt den Hund mit dem Stylus, und er rollt zur Seite. Krault man ihm den Hals, hebt er bereitwillig den Kopf, und berührt man ihn (nur aus Versehen, wirklich!) an der Nase, schüttelt er den Kopf und muss niesen. Süß!
Aber, Entschuldigung, ich vergesse mich. Von vorne. \"Nintendogs\" erscheint in Deutschland in drei verschiedenen Versionen: \"Chihuahua & Friends\", \"Dachshund & Friends\" und \"Labrador & Friends\". Insgesamt stehen so 18 verschiedene Hunderassen zur Auswahl - drei mehr als bei der japanischen Variante, die dort seit Monaten unglaubliche kommerzielle Erfolge feiert. Jede Rasse ist mit einem Wurf aus drei Welpen vertreten. Schon zu Beginn steht man also vor der mehr als schwierigen Entscheidung, sich mit dem Geld, das einem zu Spielbeginn zur Verfügung steht, für eins der 54 liebenswerten Fellknäuel zu entscheiden. Dann beginnt die Kennenlernphase: Man ist mit dem Hund zu Hause und versucht Bekanntschaft zu schließen. Man pfeift, um ihn streicheln zu können, aber der kleine Frechdachs hört noch nicht so recht und dreht nur neugierig den Kopf, ohne zu kommen. Aber das legt sich. Bald hört er auf die menschliche Stimme, die man durchs Mikrofon einspricht, und lernt, bis zu 15 verschiedene Befehle zu unterscheiden. Streichelexzessen, Badespäßen und natürlich dem bisweilen bewusst albernen Behängen des kleinen Freundes mit niedlichen Accessoires steht nun nichts mehr im Wege. Zu diesem Zweck stehen über 100 Spielgeräte und modische Teile bereit: vom Tennisball, Frisbee, Fußball bis hin zu albernen Mützen und roten Rosen zum Ins-Haar-Stecken. Freie Fahrt für Fetischfetischisten also. Gesteigert nur durch die Möglichkeit, jene Accessoires samt Hunden via WiFi-(LAN-)Modus mit anderen \"Nintendogs\"-Spielern zu tauschen oder die Hunde einfach nur miteinander spielen zu lassen, was gut für die Entwicklung ist. Eine Beschäftigung, die in japanischen Pendlerzügen mittlerweile Volkssport geworden sein soll.
Ist man über eine verspielte erste Phase hinaus, wird die so harmonische Beziehung Hund/Mensch auf eine erste Probe gestellt. Wettbewerbe stehen an. Seien es solche, bei denen Hindernisparcours möglichst fehlerfrei gemeistert werden müssen, oder jene, wo der schönste Hund - und das kann natürlich nur der eigene sein - gewinnt. Für Siege gibt es virtuelles Geld, mit dem man Hundi weitere Spielsachen oder Leckerli kaufen kann. Oder sogar einen Hunde-Bruder oder eine Hunde-Schwester. So lange, bis man die süßeste und harmloseste Armee der Welt im Wohnzimmer versammelt hat. Eine zu realisierende Traumvorstellung ohne Kot, Krankheit und Tod, möchte ich betonen.
Was bleibt, ist der oben beschriebene Pflichttitel, so sehr das auch nach Werbesprache klingen mag. Die gesamte Intro-Redaktion war dem Hundewahn nach drei Minuten erlegen, und selbst ausgewiesene Hundehasser wurden weich. Aber das Beste kommt erst noch: Denn wenn uns der Kapitalismus eines gelehrt hat, dann, dass kommerzielle Erfolge von Fortsetzungen gekrönt werden wollen. Und Entwickler Hideki Konno gestand jüngst in einem Interview nicht nur, dass \"Nintendogs\" ursprünglich \"Nintencats\" hätte werden sollen, sondern dass jenes Vorhaben auch heute alles andere als vom Tisch wäre: Es gibt in einer Produktionsvorstufe bereits Modelle und Sounds von Katzen. Yippieh!
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