Killer 7

Capcom

23.08.2005, 11:18, Text: Bernd Begemann, Bernd Begemann

GameCube, PS2

Genre: Shooter

Story: Japan und die USA hassen und misstrauen sich und stehen am Rande eines nuklearen Schlagabtausches. Trotzdem wollen sie verhandeln. Irre lachende Selbstmordattentäter versuchen, dies zu verhindern. Das einzige Mittel gegen diese Terroristen ist ein in sieben Einzel-Persönlichkeiten gespaltener Killer. Natürlich. Außerdem geht es um Organhandel, Generationenkonflikt und menschliche Überreste in Fastfood-Papiertüten. Fürs Erste mal so.

Handling: Ein Shooter auf vorbestimmten Wegen mit Kombinations- und Logikrätseln. In einer stylishen Anime-Manga-Welt steuern wir die sieben Inkarnationen eines Killers namens Harmann Smith.

Der trägt ein Priestergewand und fährt Rollstuhl.

Was bleibt: Hier mal eine These: Die Spieleindustrie ist eine junge und steht ungefähr da, wo die Filmindustrie 1920 stand. Es gibt Genres, es gibt Profite, es gibt ein weltweites Publikum. Langsam wird es Zeit für die Form sprengenden Meisterwerke, für \"Panzerkreuzer Potemkin\" und \"Ein Andalusischer Hund\". Wo sind sie? Hier. Genau dieses Spiel, \"Killer 7\" von Capcom. Keine durchgehend angenehme Erfahrung. Hinter jeder Ecke explodierende Spinner. Hier wird eine schrille, blutige Hölle beschworen, dem Spieler wird in keiner Weise entgegengekommen. Er wird desorientiert, sogar verhöhnt. Ein Informant begrüßt uns regelmäßig mit Wendungen wie \"Du Loser hast einfach keine Chance ...\" und zeigt zwei Stinkefinger! Nett. Da gehen wir doch mal unser Spiel bei der Servierdame Samantha speichern. Aber was soll das? Sie trägt ihre Kellnerinnen-Schürze nicht, sondern Jeans und ein Schlampen-Top? Sie weigert sich, unseren Spielstand zu speichern! Obwohl das ihre FUNKTION in diesem Spiel ist, weigert sie sich, sie hat Freizeit, sie ist von unseren Bemühungen gelangweilt. Als wollten die Entwickler selbst uns sagen: \"Hey, wir wollen diesen ganzen öden Mist nicht mehr.\" An Stellen wie dieser ist \"Killer 7\" ein Kommentar zu Videospielen generell und gleichzeitig eine alberne Schuljungen-Verarsche. Keine schlechte Mischung in meiner Welt. Aber vertut euch nicht: Das hier ist für Erwachsene. Blut, Blut und mehr Blut. Nehmen wir nur mal Kaede, euren einzigen weiblichen Charakter. Was ist ihre Spezialfähigkeit? Selbstmord. Sich die Handgelenke aufschlitzen und mit dem sprudelnden Blut Energiebarrieren verschwinden lassen. Danke der Nachfrage. Aber sie hat auch Sinn für Pop: Bei dem mit - natürlich - Blut an die Wand geschriebenen Smiths-Zitat \"How soon is now\" löst sie nach und nach Buchstaben ab. Bis nur noch zwei zurückbleiben, ein kryptisches \"NO\". Wo wir doch grade so nett über Dekonstruktion plaudern. Kein Spiel für jedermann, keine unausgesprochene Kaufempfehlung. Aber ein Meilenstein, vielleicht sogar eine Wasserscheide.

Glanzlicht: Samantha und Harmann haben Sex im Rollstuhl. Wirklich. Nie war die Konsole schmutziger.



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aus Intro #131 (September 2005)

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