Tekken 5

Namco

19.07.2005, 17:48, Text: linus volkmann, linus volkmann

PS2

Genre: Beat'em up

Story: Warum werden sich bei einem von asiatischer Kampfkunst angehauchten One-on-one-Prügelspiel die Köpfe eingehauen? Diese Frage bringt auf eine jener Meta-Ebenen, die jede Serie mit einer fantasievollen Story besetzt - die man als Spieler aber höchst selten wahrnimmt. Warum auch? Denn nichts ist doch sinnerfüllter als die Ausgangslage, wenn es heißt: \"Round one - fight!\" Da ist mein Gegner. Punkt. Meist ein Schönling im modischen Karateanzug oder eine anorektische, elegante Manga-Asiatin oder auch irgendein absolutes Ungetüm. Jetzt heißt es wie in der Liebe: er/sie oder ich. Nur einer verlässt den Court siegreich bzw.

lebend. Die wenigen Hintergründe zu Knüppelspielen, die man kennt, stammen daher bezeichnenderweise auch aus Game-Verfilmungen wie der zu \"Street Fighter\" (1994, mit Kylie Minogue und Van Damme) oder \"Mortal Kombat\" (1992). Was \"Tekken 5\" über die Schlägerei hinaus soll, erklärt ein wilder, verheißungsvoller Einspieler zu Beginn. An dessen Ende stirbt ein Mann mit einer Halbglatze auf einer explodierenden Felseninsel, Hubschrauber fliegen davon, ein ganz anderer Mann fällt plötzlich in der Mitte auseinander. Aha? Immer diese rätselhafte Mischung aus japanischem Hentai-Irrsinn und Experimantalfilm. Dann endlich heißt es: \"Round one - fight!\" Na, geht doch!

Handling: Nichts ist enttäuschender, als bei einem Beat'em-up-Spiel blind auf den Tasten rumzurühren, weil einem ohnehin nichts Spezielles gelingen will. Oder wenn man sich auf nur einen Distanz-Kick beschränkt, weil die bis zu 148 anderen möglichen Tritte, Schläge, Combos und Specials völlig überfordern. \"Tekken 5\" hat mit dieser Version bewusst seine Tiefe gewahrt, aber die Schwelle herabgesetzt. Man kann auch ohne Schwindel erregende Tastenkombinationen skillträchtige Moves erzeugen. Und sich diese anschaulich in einem Trainingsmode vorführen lassen und nachmachen. Eine gute Entwicklung, die früheren Frustfaktor für Nicht-Cracks spürbar senkt.

Was bleibt: Zur selben Zeit wie diese PS2- erscheint auch eine neue Arcade-Version, die ich schon in einer verruchten Hafenkneipe in Köln-Räuberweiler testen konnte. In der Spielhallenversion geschieht insofern Revolutionäres, als dass nicht mehr Best-of-three gekämpft wird, sondern Best-of-five. Eine für das eng kanonisierte Genre große Neuerung, die die Heimausgabe allerdings nicht mitgeht. Ansonsten bleiben bei \"Tekken 5\" vor allem wieder die neuen Ungetüm-Charaktere haften, wie das Känguru mit Boxhandschuhen und dem Baby im Beutel, das auch boxt. Bisher nur in der Arcade-Version gesehen, aber vermutlich auf PS2 als freizuspielende Figur vorhanden, ist der weibliche Baumstamm. Den gab es bereits in der letzten oder vorletzten Ausgabe - aber als Typ und ohne Taille.

Glanzlicht: Bei den Arenen, die es für die Prügelei auszuwählen gilt, kommt auch eine Eisscholle in Frage. Die Zuschauer dort sind vetrottelte Pinguine, die immer entsetzt und aufgeregt weglaufen, wenn der Kampf sich in ihre Richtung verlagert. Die Lieben!



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