Still Life

Microids / Flashpoint

19.07.2005, 17:46, Text: Robert Glashüttner, Robert Glashüttner

PC, Xbox

Genre: Adventure

Story: Ein mysteriöser Serienmörder macht Chicago unsicher, der es speziell auf junge Frauen abgesehen hat. Mit jedem weiteren Mord verstümmelt er sein Opfer ein bisschen mehr, die Stadt samt der Exekutive wird immer unruhiger. Nun soll die schlaue, frisch gebackene Inspektorin Vicky McPherson den Fall aufklären. Wir steigen im Spiel ein, kurz nachdem der Täter das fünfte Mal zugeschlagen hat - die vier Morde, die vorher passiert sind, müssen wir in unseren Akten nachlesen.

Handling: Die Schauplätze sind aus Standbildern aufgebaut - so wie bei Grafik-Adventures seit Jahrzehnten üblich.

Im Fall von \"Still Life\" sind diese Bilder allerdings sehr detailliert und stimmungsvoll umgesetzt, meist können auch hübsche Animationen beobachtet werden (Grashalme bewegen sich, Wasser fließt usw.). Ausgestattet mit einem sensitiven Mauszeiger lenken wir Vicky durch die Gegend und suchen nach Hinweisen, Gegenständen, Personen, mit denen wir sprechen, und weitere Orte, die wir besuchen können. Lösen wir Rätsel und treiben so das Spiel bzw. die Geschichte voran, gibt es kurze Zwischensequenzen, mehr Dialoge und neue Schauplätze. Nach dem ersten Kapitel passiert dann zum ersten Mal ein Zeiten-, Ort- und Figurenwechsel - von Victoria aus dem Chicago 2005 reisen wir zu ihrem Großvater ins Prag des Jahres 1929. Damals trieb ebenfalls ein Serienmörder sein Unwesen ...

Was bleibt: Der Versuch, mit der Thriller-Story eine packende, beklemmende Stimmung zu erzeugen, scheitert schon nach kurzer Spielzeit. Das hat mehrere Gründe: Einerseits fehlt es der Geschichte zunächst an Vielschichtigkeit und Überraschungen, die Figuren sind belanglos inszeniert und haben zu wenig Kanten. Ein weiteres Manko ist die vermurkste Sprachausgabe. Die Dialoge wurden zwar professionell eingesprochen, wirken aber meist steif und unglaubwürdig. Was insofern besonders enttäuschend ist, da \"Still Life\" für seine Figuren einige Grenzsituationen bereithält, denen die SprecherInnen in Stimmlage und Emotionalität gerecht werden müssten. Schließlich ist auch der eigentliche Kern des Spiels - die Rätsel - eher eine Enttäuschung. Statt gewitzter Kopfnüsse, die man sich durch das Eintauchen in die Geschichte nach und nach erarbeiten muss, werden wir meist mit nervigen Knobelrätseln gequält. Man muss Buchstaben in Ziffern umwandeln oder Steine in die richtige Reihenfolge bringen. Liebe Entwickler, ein Abenteuerspiel ist kein Zauberwürfel!

Glanzlicht: \"Still Life\" wird das Adventure-Genre bestimmt nicht aus seinem Nischen-Dasein befreien, dennoch sollten hungrige Abenteurer nicht gleich die Flinte ins Korn werfen und dem Spiel eine Chance geben. Wer nicht zu viel erwartet, wird einige Stunden lang ein solide produziertes Adventure spielen und nachher nicht enttäuscht sein. Spielt man das Spiel allein zu nächtlicher Stunde, lässt so manche Zwischensequenz stellenweise sogar etwas Grusel aufkommen.



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