eSport

The Kids Are Alright

19.07.2005, 16:55, Text: Gregor Wildermann, Gregor Wildermann

Text/Foto(s): Gregor Wildermann

Deutschland im Frühjahr 2005. In der Zeitung Die Zeit widmete man sich jüngst über acht Seiten zwei Jugendlichen, die von ihrem Hobby erzählen: \"eSport\". Ein Hobby irgendwo zwischen sozialer Akzeptanz und Ablehnung. Seit Robert Steinhäuser und den Schüssen an einem Erfurter Gymnasium hat sich die Computerspielwelt geändert, obwohl bis heute nicht geklärt ist, welche Rolle die Shooterspiele abseits von Schützenverein und emotionaler Ausgrenzung für einen Jugendlichen wie Robert Steinhäuser gespielt haben. Auch der Autor der Zeit scheint keine wirkliche Meinung zu dem Hobby der beiden eSportler zu haben.

Wie vermittelt man aber auch in einer Zeitung, dass Shooter wie \"Counterstrike\", \"Unreal Tournament\" oder \"Battlefield 1942\" irgendetwas mit Sport zu tun haben? Selbst eigene TV-Sendungen für eSport wie beim Kabelsender Giga wirken mit ihrer kryptischen Moderation seltsam fremd, und trotz der bewegten Bilder fällt es sehr schwer, den wirklichen Reiz der Battles zu verstehen.

eSportler selbst betonen immer wieder, wie oft sie trainieren, und die Organisation in Clans vermittelt auch etwas von dem Mannschaftscharakter. Dabei sind öffentliche LAN-Turniere immer noch oft eine perfekte Steilvorlage für jeden Journalisten mit einigermaßen etabliertem Scheuklappenblick: Mehrere Dutzend Jugendliche im besten Pubertäts-Clearasil-Was-ist-ein-Deo-Alter leben von Tiefkühlpizza und Pepsi-Cola, schlafen wenig oder gar nicht und haben schon nach wenigen Stunden diesen nervösen Stressblick, der wirklich Angst machen kann. Dass sie dabei schlichtweg ihren Spaß haben, will da niemand vermuten. Und wenn sie erzählen, dass sie die Blutdarstellung in Spielen immer abstellen, weil das nur Rechenleistung kostet, will das Klischee gewaltbereiter jugendlicher Computer-Rambos auch nicht mehr so recht stimmen. Aber in Deutschland stand Jugendkultur schon immer unter strengster Beobachtung. Raven war auch erst dann abgesegnet, als das Berliner Touristenbüro erwähnte, wie viele Millionen es der Stadt einbringt. Da kann es auch eSportlern nur helfen, wenn am Ende der Eindruck entsteht, die Kinder im Jugendstrafalter würden etwas für ihre Karriere tun, etwas lernen oder sogar Geld verdienen. Schon wird das Thema mit der seltsamen Schieflage anders gesehen.

Auf dieses Pferd setzt auch die Computerspielindustrie, die entweder komplett schweigt oder im Rahmen eigener Turniere, wie z. B. der PlayStation-Liga, dem angehenden Sport das richtige Gesicht verpasst. Einen Schritt weiter geht die US-Firma Electronic Arts, der weltweit drittgrößte Software-Publisher überhaupt und Hersteller von Turnierspielen wie \"Battlefield 2\" oder \"Fifa Soccer\". Anfang Juni veranstaltete die Firma in Düsseldorf das zweite Internationale eSports-Forum, das in Vorträgen und Workshops \"die Faszination des eSports\" hervorheben will. Neben Vertretern aus der Politik stellten sich Branchenvertreter der Diskussion.

Abseits solcher Industrieveranstaltungen gibt es aber auch Events, bei denen man ein anderes Bild vom eSport gewinnen kann. Eines davon ist der Best Players Cup, der Ende Mai in München zum zweiten Mal stattfand. Passend für Sportler traf man sich in der Eventhalle auf dem Münchener Olympiagelände, wobei Veranstalter Gaetano Rizzo und sein Team bei der Spielauswahl auf gewaltfreie Titel setzten. Mit dabei Autosimulationen wie \"Gran Turismo 4\" oder \"Enthusia\", Fun-Racer wie \"Mario Kart: Double Dash!!\" und Fußballtitel wie \"Pro Evolution Soccer 4\", dessen Turnier vom Fußballmagazin 11 Freunde präsentiert wurde. Rizzo betont im Gespräch aber bewusst, dass man sich nicht mit LAN-Partys vergleichen will. Der BPC soll eher wie eine Messe von Spielbegeisterten funktionieren, und beim Blick auf die Gewinnerliste der Einzelturniere fällt dann auch auf, dass gerade Fans von Konsolenspielen solche Turniere einfach nicht auslassen. Bei \"Gran Turismo 4\" belegte zum Beispiel Jean-Marie Rathje aus Stuttgart den zweiten Platz - beim ersten BPC in Frankfurt war er bereits Sieger. Auch Markus Beuschel aus Nürnberg hat sich dem digitalen Sport verschrieben: Er ist Mitgründer des \"Pro Evolution Soccer\"-Clubs \"Dachboden Connection\", belegte jetzt beim BPC den zweiten Platz und ließ damit sogar den amtierenden deutschen \"PES3\"-Meister Antonino Lo-Re aus Mönchengladbach hinter sich. Und bei den Finalspielen, die später beim Spielsender \"Games TV\" über Kabel Deutschland ausgestrahlt werden, kam dann auch eine Atmosphäre auf, die sich mit mancher Südkurve messen kann. Sind Sportspiele also der beste Botschafter für eSports? In der Konkurrenz mit Biergartenwetter und dem Pokalfinale Bayern-Schalke bemerkte man am Sonntag, dem so genannten \"Family Day\", dass eSport aber noch lernen muss, unersetzlich zu sein. Doch die Idee der BPC-Organisatoren, parallel zum BPC in der Nebenhalle auf einem Street-Parcours die \"German Championships 2005\" im Stunt-Inline auszutragen, war ein cleverer Schachzug. Und was läge näher, als im WM-Jahr 2006 auch eSportlern einen ganz neuen Auftritt zu verleihen?

www.bestplayerscup.com www.esportforum.com



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