
Sid Meier’s Pirates!
Fireaxis / Atari
25.02.2005, 12:01, Text:
Bernhard Przybilla,
Bernhard Przybilla
PC
Genre: Abenteuer/Strategie
Story: Anker lichten und Leinen los! Nach mehr als zehn Jahren ist es wieder Zeit, als Freibeuter durch die Karibik zu segeln und in bester Errol-Flynn- und Burt-Lancaster-Manier die hohe See unsicher zu machen. Dass es dabei aber nicht nur um geplünderte Galeonen und versteckte Piratenschätze unter Palmen geht, ist Ehrensache. Schließlich gilt es nicht nur Reichtümer und die Herzen schöner Frauen zu erobern, sondern auch die eigene Familie zusammenzuführen, die von einem hinterhältigen spanischen Granden in die Sklaverei verkauft wurde.
Handling: Ein Genre-Mix wie ›Pirates!‹ leidet oft darunter, dass die Mischung nicht stimmt.
Was bleibt: Die Neuauflage von Klassikern muss kein Spaß sein, selbst dann nicht, wenn im wahrsten Sinne des Wortes einer der Autoren des Originals seine Finger im Spiel hat. Wohin das nämlich führen kann, war im November zu sehen, als ›Bard’s Tale‹ für Xbox und PS2 erschien. Mit einem völlig umgekrempelten Spielprinzip, das im Vergleich zu aktuellen Spielen jedoch nicht besonders innovativ war, enttäuschte Brian Fargo die Fangemeinde. In diese Falle stolperte Sid Meier beim Remake von ›Pirates!‹ nicht. Natürlich wurde dem Spiel eine tüchtige Frischzellenkur verpasst. Mehr Missionen, nützliche Bonusobjekte und verbesserte Seeschlachten machen die neuste Version deutlich komplexer als das Original. Beim Gameplay bleibt aber fast alles beim Alten, sodass erfahrene Seebären die Anleitung getrost verstauben lassen können. Doch die Stärke des Spiels ist wohl auch das größte Problem: Wer nicht in Erinnerungen an selige C64- oder Amiga-Zeiten schwelgen kann, bekommt leicht Probleme mit der Langzeitmotivation. Wenn einmal alle 16 Familienmitglieder befreit und alle verschollenen Schätze gehoben sind, stellt sich rasch die Frage, ob es sich noch einmal lohnt, auf große Fahrt zu gehen. Auch das Plündern von Städten kann Alltag werden. Wer darüber hinwegsehen kann und auch keine komplexe Wirtschaftssimulation à la ›Porte Royale 2‹ erwartet, ist mit ›Pirates!‹ gut bedient, denn nirgendwo sonst macht die Seeräuberei so viel Spaß.
Glanzlicht: Nichts ist schwerer, als das richtige Feeling, die tolle Atmosphäre, die einen Vorgänger ausmachte, noch einmal hinzubekommen. Allzu oft wirken Nachfolger wie ein zweiter Aufguss, auf den man getrost verzichten kann. Überraschenderweise gelang es bei ›Pirates‹ aber nicht nur, den Charme des Originals beizubehalten, sondern ihn noch einmal zu steigern. Gerade die turbulenten Actionsequenzen sorgen für das richtige Mantel-und-Degen-Flair, das man aus unverwüstlichen Filmklassikern wie ›Der Rote Korsar‹ oder von ›Fluch Der Karibik‹ kennt.
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