The Getaway: Black Monday

Team Soho / SCEE

25.02.2005, 11:48, Text: Gerd Rosenacker, Gerd Rosenacker

PS2

Genre: Action-Adventure
Story: Der erste Teil, großspurig als Konkurrenz-Titel zur ›GTA‹-Serie angepriesen, war in spieltechnischer Hinsicht zwar weitestgehend vermurkst, in ökonomischer Hinsicht aber ein Erfolg. Zwei gute Gründe also für die Fortsetzung. Die Handlung des Sequels hat mit dem Vorgänger jedenfalls nichts mehr gemein, und auch die ehemaligen Protagonisten Marc Hammond und Frank Carter gehören der Vergangenheit an. Stattdessen gilt es, (nacheinander) als psychotischer Aggro-Cop Ben Mitchell, als Boxer Eddie O’Conner und als die adrette, aber neunmalkluge Hackerin Sam die Unterwelt Londons (40 Quadratkilometer der Stadtfläche wurden detailgetreu nachgebildet) aufzumischen.

Jeder der Charaktere hat unterschiedliche Neigungen respektive Aufgabenfelder: Ben ist der Mann für das Grobe, der seine Talente bei Razzien und Feuergefechten mit der russischen Mafia ausspielt, wohingegen Sam Gepolter eher vermeidet und sich die Erfolge erschleicht. Die Handlungsstränge sind miteinander verknüpft, und das weniger plump als in diesem Genre üblich – ein solides modernes Ganoven-Epos mit einigen tatsächlich überraschenden Wendungen.
Handling: Die Story war auch beim Vorgänger nicht das Problem. Dringender Handlungsbedarf bestand vorwiegend wegen der miserablen Steuerung, und hier waren die Programmierer vom Soho-Team schon fleißig. Gerade auf vier Rädern gibt es kaum was zu maulen: Das Fahrverhalten der (zum Großteil lizenzierten) Wagen ist überaus realistisch, Motorräder sind dazugekommen, die richtungsweisenden Blinker arbeiten in jeder Situation zuverlässig, und wer sich trotzdem verfranst, darf jetzt auf einen Stadtplan zurückgreifen. Auch zu Fuß gibt es erfreuliche Neuerungen: Je nach Neigungswinkel des Pads differenzieren die Akteure zwischen Schleichen, Gehen und Rennen.
Was bleibt: Dass jetzt alles dufte wäre, kann man nicht behaupten, denn trotz zahlreicher Verbesserungen hat auch der zweite Teil einige nicht unerhebliche Schwächen. Unverändert nervtötend ist die starrsinnige Kameraführung – die Folgen sind, in chronologischer Reihenfolge, Desorientierung, Zorn und Resignation – oder das Fehlen lebenswichtiger Anzeigen von Munition oder Gesundheit. Dass durch das Lümmeln an Wänden, ein weiteres Novum, Schusswunden geheilt werden, ist meines Erachtens ebenfalls diskutabel. Alles in allem aber könnte dieser Titel dem Rummel, der um seinen Vorgänger veranstaltet wurde, über weite Strecken gerecht werden. Story und Dialoge sind nämlich sehr gut, zumal auch das Ambiente stilistisch und grafisch zwingend überzeugt. Auch wenn man sich an den Linksverkehr und die Steuerung erst gewöhnen muss.
Glanzlicht: Gleich zu Beginn des Spiels entschuldigen sich die Hersteller für das ungewöhnlich hohe Maß an Gewalt und die deutlichen Worte der Akteure. In beiderlei Hinsicht sofort ans Herz gewachsen ist mir dabei ein Würdenträger der russischen Mafia, der Levi heißt, den Polizisten bei jeder Gelegenheit vor die Füße spuckt und eine enorme Anzahl an Flüchen in verschiedensten Sprachen kennt. Wer weiß, für was man das alles noch brauchen kann.



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