Rätsel & Recken

Gamesticker

21.01.2003, 16:21, Text: Daniel Decker, Daniel Decker

Mit dem seit langer Zeit endlich mal wieder “echten” Point’n’Click-Adventure “Runaway - A Road Adventure” ist den spanischen Pendulo Studios auf dem PC eine liebevolle, aber beinahe schamlose Huldigung an ein längst beerdigtes Genre gelungen. Während zuletzt “Monkey Island 4” und demnächst irgendwann das schon verdächtig lang in der Planungsphase verharrende “Baphomets Fluch 3” auf 3D-Grafik setzen, kommt “Runaway” der Rückgriff auf eine 2D-Spielumgebung mit Comic-artigen Hintergründen und entsprechenden Charakteren mehr als zugute – trotz offensichtlicher Vorbilder, denn die Grafik erinnert stark an Monkey 3, die manchmal fast schon zu intuitiv simple Steuerung ist deckungsgleich mit Baphomet 2, und die leider manchmal zu simplen Rätsel lösen sich vorwiegend durch repetitives “Betrachte”, “Sprich mit” und “Benutze mit”.

Das macht aber nichts, denn Stories wie die klassische Geschichte “Anti-Held wird mit möglichst illustren Weggefährten (etwa koffeinsüchtige Archäologinnen, transsexuelle Vietnam-Veteranen und Voodoo-Priesterinnnen) in mysteriösen Fall verwickelt” verfolgt man gerne. Die Grafik-Leistung lässt keine Wünsche offen, ein wenig schneller könnte es manchmal sein. Insgesamt besteht die Leistung von “Runaway” aber darin, sich an den richtigen Vorbildern orientiert zu haben. Quasi ein Best-of längst verkulteter Spiele-Titel und eben deswegen für Genrefans ein willkommenes Lebenszeichen verloren geglaubter Spielekultur.
Bestes Beispiel für ein gutes Rollenspiel mit Adventure-Eigenschaften ist “Morrowind” (Ubi Soft), das für PC und Xbox mit seinen Leistungsdaten beeindruckt: Über 30 Städte, 10 verschiedene Rassen, ein Skill-System mit 21 Attributen und eine riesige Spielwelt mit Tag-Nacht- und Wetterwechsel. Erzählt wird die Geschichte eines Ex-Gefangenen, der in der Hafengarnison Seyda Neen in die Freiheit entlassen wird. Dabei ahnt man als Spieler noch nichts von seinem kommenden Schicksal, das in der sehr offenen Welt von “Morrowind” und durch ein Erfahrungssystem ständig erweitert wird. Dabei bewegt man seine Figur im komplett deutsch synchronisierten Spiel durch eine detailreiche Welt, die neben imposanten Gebäuden auch mit sehr guten Wasseranimationen überzeugen kann. Dem Spiel liegt dazu eine Karte im DIN A3-Format bei, auf der man den Inselkontinent Vvardenfell ständig überblicken kann. Genrefans kann dieser Titel uneingeschränkt empfohlen werden, und wer eine Alternative zu “Herr der Ringe” sucht, liegt hier goldrichtig. Alle anderen wird der Umfang des Spiels fast schon überfordern.



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aus Intro #102 (Februar 2003)
 
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